Posted in: Sterne 29. November 2007 13:18 Weiter lesen →

Forscher verfolgen kosmische Kanonenkugel

Ein rasanter Neutronenstern ist noch etwas schneller unterwegs als bislang angenommen. Zwei amerikanische Astronomen haben ermittelt, dass das Objekt mit einer Geschwindigkeit von rund 1.600 Kilometern pro Sekunde durch das All eilt. Den nötigen Schwung hat es vermutlich bei der Explosion seines Vorgängersterns erhalten.

Komposit aus optischer und Röntgenaufnahme zeigt die Region um den Puppis-A-Supernovarest mit bläulich-violetten Sternen und Gaswolken; Ausschnittvergrößerung zeigt den Neutronenstern an seinen Positionen 1999 und 2005

Der Neutronenstern dürfte seit seiner Geburt eine Strecke von rund 20 Lichtjahren zurückgelegt haben. Bild: Chandra: NASA/CXC/Middlebury College/F.Winkler et al.; ROSAT: NASA/GSFC/S.Snowden et al.; Optical: NOAO/AURA/NSF/Middlebury College/F.Winkler et al.

„Seit seiner Geburt ist dieser Neutronenstern auf dem Weg aus der Galaxis heraus, Wiederkehr ausgeschlossen“, formuliert Robert Petre vom Goddard Space Flight Center der NASA. Zwar seien mehrere solcher rasenden Sterne bekannt, deren Geschwindigkeit die Fluchtgeschwindigkeit aus der Milchstraße übertreffe. „Aber nur wenige davon sind derart schnell.“

Petre und sein Kollege Frank Winkler vom Middlebury College nutzten das Weltraumteleskop Chandra, um die Röntgenquelle RX J0822-4300 zu beobachten. Das Objekt liegt in dem Überrest einer Supernova im Sternbild Puppis. Bereits im letzten Jahr hatten zwei Garchinger Max-Planck-Forscher berichtet, dass es sich bei der Quelle wahrscheinlich um einen Neutronenstern handelt, das extrem dichte Überbleibsel des vor 3.700 Jahren explodierten Sterns.

Während die Garchinger Forscher die Geschwindigkeit des Objekts auf etwa 1.100 Kilometer pro Sekunde geschätzt hatten, berechnen ihre amerikanischen Kollegen auf Basis zusätzlicher Daten einen fast 50 Prozent höheren Wert. Seit seiner unsanften Geburt dürfte der Neutronenstern demnach eine Strecke von 20 Lichtjahren zurückgelegt haben.

Die meisten Schnellläufer seien vermutlich durch die Schwerkraft des Schwarzen Lochs im Milchstraßenzentrum beschleunigt worden, erläutert Winkler. In Falle des Puppis-Neutronensterns scheine die Ursache jedoch in einer ungleichmäßigen Explosion zu liegen: Bei der Supernova müsse die Hülle des Sterns asymmetrisch „weggesprengt“ worden sein, sodass der Reststern einen kräftigen Stoß erhalten habe. Mit den gegenwärtigen Supernova-Modellen lasse sich dieses Verhalten nur schwer nachvollziehen. „Die kosmische Kanonenkugel stellt uns damit vor die Frage, wie die Natur eine derart mächtige Kanone bauen kann.“

Forschung: P. Frank Winkler, Department of Physics, Middlebury College, Middlebury, Vermont, und Robert Petre, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 670, pp 635-42

WWW:
Physics, Middlebury College
X-ray Astrophysics Laboratory, Goddard Space Flight Center
Neutron Stars and Pulsars
Chandra

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