Sterne gehen mit Schwung in Rente
4. Dezember 2007
Viele Sterne kommen so richtig auf Touren, wenn sie die aktive Phase ihres Daseins beenden. Für diese Vermutung sprechen Beobachtungen, die kanadische Astronomen mit dem Weltraumteleskop Hubble angestellt haben. Demnach beherbergt ein nahe gelegener Kugelsternhaufen in seinen Außenbezirken überraschend viele Sterne, die erst vor kurzem ihren Brennstoff aufgezehrt haben.
NGC 6397 ist ein dichter Schwarm von mehreren Hunderttausend Sternen. Bild: NASA, ESA, and H. Richer (University of British Columbia)
Eigentlich habe man damit gerechnet, dass diese jungen Weißen Zwerge vornehmlich im Zentrum des Sternhaufens zu finden, erläutert Harvey Richer von der University of British Columbia. “Die Verteilung ist jedoch das genaue Gegenteil von der erwarteten. Wir vermuten daher, dass Sterne, wenn sie sich zu Weißen Zwergen entwickeln, auf Geschwindigkeiten von 3 bis 5 Kilometer pro Sekunde beschleunigt werden und bis an den Rand des Haufens rasen.”
Mit NGC 6397 studierten die Astronomen einen von etwa 150 Kugelsternhaufen in der Milchstraße. Der dichte “Sternschwarm” ist etwa 8.500 Lichtjahre von der Sonne entfernt und enthält einige Hunderttausend Sterne. Die Forscher nutzten Hubble, um 84 davon genauer unter die Lupe zu nehmen - 22 junge und 62 alte Weiße Zwerge. Ihre Vorläufer sind besonders rasch ausgebrannt und sollten daher besonders viel Masse besessen haben. Bei Begegnungen mit anderen Sternen sollten sie daher nur wenig beschleunigt worden und im Laufe der Zeit gen Haufenzentrum gesunken sein.
Nach dem Ausbrennen nur noch von relativ geringer Masse, sollte es die Weißen Zwerge allmählich in alle Bereiche des Kugelsternhaufens verstreut haben. Die älteren Vertreter gehorchen auch diesem Muster, berichten die Forscher demnächst in den “Monthly Notices of the Royal Astronomical Society”. Ausgerechnet die jüngeren Vertreter finden sich jedoch vorwiegend in den Außenbezirken. Offenbar haben sie zusätzlichen Schwung erhalten und sich noch nicht wieder “beruhigt”.
Wenn alte Sterne zu Weißen Zwergen werden, blähen sie sich zunächst zu Roten Riesen auf und stoßen dabei einen großen Teil ihrer Masse ab. Offenbar läuft dieser Prozess nicht immer völlig symmetrisch ab, sodass der Rückstoß der Gasmassen nicht vollständig kompensiert werde, vermuten Richer und Kollegen. Die Weißen Zwerge könnten daher wie von einem Raketentriebwerk beschleunigt werden. Diese Schlussfolgerung stehe im Einklang mit der Beobachtung von Planetarischen Nebeln, bei denen Materialströme nicht perfekt gegeneinander ausgerichtet seien.
Forschung: D. Saul Davis und Harvey B. Richer, Department of Physics and Astronomy, University of British Columbia, Vancouver; Ivan R. King, Astronomy Department, University of Washington, Seattle; und andere
Veröffentlichung Monthly Notices of Royal Astronomical Society, Januar 2008; Preprint arXiv:0709.4286
WWW:
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