Auch schlanke Galaxien haben es in sich
11. Januar 2008
Ob im Zentrum einer Galaxie ein massereiches Schwarzes Loch sitzt, lässt sich nicht unbedingt an ihrer Figur ablesen. Entsprechende Resultate haben amerikanische Astronominnen bei Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer gewonnen. Von 32 studierten, sehr “schlanken” Galaxien dürften nicht weniger als 7 ein Schwarzes Loch mit einigen Millionen Sonnenmassen in ihrem Kern bergen.
Illustration: NASA/JPL-Caltech
“Dieses Resultat läuft der gegenwärtigen Lehrmeinung zuwider”, erklärt Shobita Satyapal von der George Mason University. Demnach sollte das Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie umso mehr Masse besitzen, je stärker der zentrale Bereich der Galaxienscheibe aufgewölbt ist und je schneller die Sterne um das Zentrum kreisen. Zumindest das Vorhandensein eines ausgeprägten Wulstes scheine aber keine Voraussetzung für ein sehr massereiches Schwarzes Loch zu sein, so die Forscherin.
Erst kürzlich hatten Satyapal und Kolleginnen ermittelt, dass die Galaxie NGC 3621 von der bisherigen Regel abweicht. Nun nahmen sie eine Reihe weiterer Galaxien unter die Lupe. Die Infrarotspektren von 6 dieser Galaxien lassen darauf schließen, dass es in ihrem Zentrum Neon-Atome gibt, die die Hälfte ihrer Elektronen eingebüßt haben. Die einzige Erklärung dafür sehen die Forscherinnen in der intensiven Strahlung aus dem Materiestrudel um ein supermassereiches Schwarzes Loch.
Diese Resultate machten es nötig, die bisherigen Ansichten zur Entwicklung einer Galaxie zu überdenken, so Satyapal weiter. Möglicherweise hänge das Wachstum des zentralen Schwarzen Lochs weniger von der sichtbaren Materie im Wulst ab als vielmehr von dem Vorrat an nicht sichtbarer Dunkler Materie.
Forschung: Shobita Satyapal und Rachel Dudik, Department of Physics and Astronomy, George Mason University, Fairfax, Virginia; Nicholas Abel, Department of Physics, University of Cincinnati, Cincinnati, Ohio; und andere
Präsentation auf dem 211th Meeting of the American Astronomical Society, Austin, #141.11, und Preprint arXiv:0706.1050v1
WWW:
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