Posted in: Galaxien, Sterne 28. Januar 2008 21:29 Weiter lesen →

Rasender Stern ist ein Überläufer

Bild zeigt ein wildes Geflecht bläulich-grauer WolkenfetzenEin extrem rasanter Stern in den Außenbezirken der Milchstraße stammt tatsächlich aus einer Nachbargalaxie. Das bestätigen Analyse amerikanischer Astronominnen. Gemessen an seinem chemischen Fingerabdruck, muss der Schnellläufer in der Großen Magellanschen Wolke entstanden sein.

In der Großen Magellanschen Wolke, hier ein Infrarot-Mosaik des Weltraumteleskops Spitzer, scheint es ein sehr massereiches Schwarzes Loch zu geben. Bild: NASA Jet Propulsion Laboratory (NASA-JPL)

Die Ursache dürfte eine allzu enge Begegnung mit einem Schwarzen Loch sein, glauben Alceste Bonanos und Mercedes López-Morales von der Carnegie Institution of Washington. Dieses Gebilde müsse mindestens 1.000 Sonnenmassen besitzen und habe den ebenfalls nicht ganz leichtgewichtigen Stern wie ein Katapult aus seiner Heimatgalaxie geschleudert.

„Dies sind die ersten Beobachtungsdaten, die auf die Existenz eines massereichen Schwarzen Lochs in der Großen Magellanschen Wolke hinweisen“, erklärt Bonanos. „Jetzt sind wir sehr gespannt, wo genau dieses Schwarze Loch wohl zu finden ist.“

Der Stern mit der Bezeichnung HE 0437-5439 war im Jahr 2005 von Astronomen der Universität Erlangen-Nürnberg entdeckt worden und hatte seitdem für Rätselraten gesorgt. Erste Spektralanalysen hatten vermuten lassen, dass er aus dem Zentrum der Milchstraße stammte und etwa 35 Millionen Jahre alt war. Selbst mit seiner Geschwindigkeit von 2,6 Millionen Kilometern pro Stunde hätte er allerdings 100 Millionen Jahre von seinem vermeintlichen Geburtsort bis an die aktuelle Position gebraucht.

Bereits damals hatten die Entdecker den wahrscheinlichen Entstehungsort in der Großen Magellansche Wolke vermutet. Bonanos, López-Morales und zwei nordirische Kollegen nutzten nun ein Teleskop in Chile sowie Archivdaten der Europäischen Südsternwarte, um die Frage endgültig zu klären.

Wie die Gruppe demnächst im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ berichtet, enthält HE 0437-5439 vergleichsweise wenig „Metalle“ im astrophysikalischen Sinn: Elemente, die im Periodensystem jenseits des Heliums stehen, sind in ihm nur halb so stark vertreten wie in der Sonne. Anders als zunächst angenommen, passe die chemische Signatur also nicht zu einem Ursprung in der Milchstraße, sondern sei typisch für die Große Magellansche Wolke.

Forschung: Alceste Z. Bonanos und Merces López-Morales, Department of Terrestrial Magnetism, Carnegie Institution of Washington, Washington, D.C.; Ian Hunter und Robert S.I. Ryans, Department of Physics and Astronomy, Queen’s University, Belfast

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal Letters; Preprint arXiv:0712.1825

WWW:
Carnegie Department of Terrestrial Magnetism
Las Campanas Observatory
European Southern Observatory
The Universe within 500,000 Light Years
Hypervelocity Star

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