Posted in: Galaxien 5. Februar 2008 13:49 Weiter lesen →

Galaktische Kontaktaufnahme

Illustration zeigt die Magellanschen Wolke als unterschiedlich große, rundliche Wolken, durch die sich ein bogenförmiger Gasstrom bis zur Scheibe der ungleich größeren Milchstraße erstreckt Die Milchstraße und ihre Nachbarinnen haben längst Kontakt miteinander aufgenommen. Und das im wortwörtlichen Sinne, zeigen die Beobachtungen einer australischen Astronomin. Ein von den Magellanschen Wolken ausgehender Gasstrom erstreckt sich demnach durch das All bis in die Scheibe der Milchstraße.

Das Gegenstück des Magellanschen Stroms ragt bis in die Milchstraße. Grafik: John Rowe Animations/CSIRO

Die Kontaktstelle liegt gut 70.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Kreuz des Südens, ermittelten Naomi McClure-Griffiths von der Australia Telescope National Facility und ihre Kollegen. „Normalerweise ist es extrem schwierig, die Entfernung zu einer solchen Gasstruktur zu bestimmen“, so die Forscherin. „Umso mehr begeistert es uns, dass wir exakt jene Stelle ausmachen konnten, an der das Gas durch die Milchstraße pflügt.“

Anfang der 70er-Jahre war ein immenser Strom aus Wasserstoff entdeckt worden, den das Duo aus Kleiner und Großer Magellanscher Wolke gewissermaßen als Schleppe hinter sich her zieht. Die Forscher studierten nun einen ähnlichen, aber kürzeren Gasstrom, der den beiden Galaxien vorauseilt. Indem sie die Daten einer groß angelegten Himmelsdurchmusterung mit Beobachtungen im Radiobereich kombinierten, konnten sie den Verlauf dieses Stroms im Detail kartieren. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Die beiden Magellanschen Wolken galten bis vor kurzem als Satelliten, die auf einer relativ steten Bahn um die Milchstraße kreisen. Dann hatten neue Beobachtungen ergeben, dass die Geschwindigkeit der beiden Galaxien für eine solche Bahn zu hoch ist. Daher war vermutet worden, dass sie lediglich auf der „Durchreise“ sind. Die neuen Resultate könnten helfen, zwischen beiden Szenarien zu unterscheiden, erklärt McClure-Griffiths.

Wahrscheinlich bestehe der vorauseilende Arm aus Gas, das im Schwerkraftgefälle der Milchstraße aus den Magellanschen Wolken herausgezogen worden sei. „Und der Bewegung dieses Gases sollten auch die beiden Wolken folgen, zumindest ungefähr“, so die Forscherin. Die neuen Resultate seien eher mit einem Szenario vereinbar, in dem die Magellanschen Wolken die Milchstraße zumindest einige Male umkreist hätten. In jedem Fall stehe zu vermuten, dass sie dereinst mit der Milchstraße verschmelzen würden.

Forschung: Naomi M. McClure-Griffiths und Mark R. Calabretta, Australia Telescope National Facility, CSIRO, Marsfield, New South Wales; Peter M.W. Kalberla, Argelander-Institut für Astronomie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 673, L143-6, DOI 10.1086/528683

WWW:
Australia Telescope National Facility
Galactic All-Sky Survey
The Magellanic Stream
Tidal Stripping

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