Posted in: Exoplaneten, Sonnensystem 14. Februar 2008 20:01 Weiter lesen →

Vertraute Verhältnisse in fernem Planetensystem

Zeichnung zeigt Blick über den Horizont eines lodernden Sterns auf zwei Gasplaneten mit WolkenbändernDas Sonnensystem ist möglicherweise keine Ausnahmeerscheinung im All. Für diese Ansicht spricht die Entdeckung eines fernen Planetensystems mit zwei relativ kleinen Gasplaneten durch eine internationale Astronomengruppe. Wie die Forscher im Magazin „Science“ berichten, stimmen die Massen- und Entfernungsverhältnisse in dem fernen System sehr gut mit den hiesigen überein.

Grafik: Copyright Science

Scott Gaudi von der Ohio State University und seine Kollegen konnten das gut 4.900 Lichtjahre weit entfernte System identifizieren, als es durch die Sichtlinie zu einem noch weiter entfernten Stern zog. Dabei wirkte seine Schwerkraft wie eine Linse auf das Licht dieses Hintergrundsterns und verzerrte dessen Bild am Nachthimmel.

Die beiden Neulinge einberechnet, seien bis heute erst 6 Exoplaneten anhand solcher Ereignisse entdeckt worden, betonen die Forscher. Diese Trefferquote lasse vermuten, „dass Analoga des Sonnensystems relativ häufig sind“.

Die meisten der rund 270 bekannten Exoplaneten konnten dagegen identifiziert werden, weil sie mit ihrem Schwerkraftzug ihr Zentralgestirn ins Taumeln bringen und so dessen Lichtspektrum verschieben. Diese Methode spricht besonders gut auf massereiche Exoplaneten an, die als „Heiße Jupiter“ in geringem Abstand um ihren Stern rasen. Entsprechend exotisch wirken viele der bislang entdeckten Planetensysteme.

Das kosmische Linsen-Ereignis kündigte sich im März 2006 an. Damals fiel auf, dass die Helligkeit des Hintergrundsterns plötzlich um einige Prozent gestiegen war. In der Folge wurde dieser Stern immer wieder mit Teleskopen in allen Teilen der Welt beobachtet. Tatsächlich stieg seine Helligkeit binnen 11 Tagen weiter an und sank wieder – allerdings nicht gleichmäßig, sondern mit mehreren kurzfristigen Helligkeitssprüngen. Aus dem genauen Kurvenverlauf schließen die Forscher, dass die für diesen Effekt verantwortliche „Linse“ aus einem Stern mit zwei relativ großen Planeten bestand.

Der Stern mit der Bezeichnung OGLE-2006-BLG-109L besitzt etwa 50 Prozent der Sonnenmasse, schätzen Gaudi und Kollegen. Die beiden Planeten dürften etwa 0,71 bzw. 0,27 Jupitermassen aufweisen und einen Abstand von 2,3 bzw. 4,6 Erdbahnradien halten. Praktisch identische Zahlenverhältnisse ergeben sich für die beiden Schwergewichte im Sonnensystem: Saturn besitzt knapp ein Drittel der Jupitermasse und umkreist die Sonne im doppelten Abstand.

Forschung: B. Scott Gaudi, Department of Astronomy, Ohio State University, Columbus; David P. Bennett, Department of Physics, Notre Dame University, Notre Dame, Indiana; Andrzej Udalski, OGLE Collaboration und Obserwatorium Astronomiczne Uniwersytetu Warszawskiego, Warschau; Martin Dominik, School of Physics & Astronomy, University of St Andrews; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 319, 15. Februar 2008, pp 927-30, DOI 10.1126/science.1151947

WWW:
Scott Gaudi, Ohio State University
OGLE
The Search for Extrasolar Planets by Microlensing
Extrasolar Planets Encyclopaedia

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