Posted in: Sonnensystem 18. Februar 2008 16:33 Weiter lesen →

Meteoriten vom Merkur

Blick gen Merkur-Horizont zeigt eine von zahlreichen, unterschiedlich großen Kratern bedeckte OberflächeUnter den Meteoriten, die ständig auf der Erde niedergehen, könnten durchaus auch Felsbrocken vom Merkur sein. Für diese Annahme sprechen Modellrechnungen zweier kanadischer Astronomen. Wenn der innerste Planet des Sonnensystems von kleineren Himmelskörpern getroffen wird, kann es ein Teil des emporgeschleuderten Materials bis zur Erde schaffen.

Merkur wurde in der Vergangenheit immer wieder von anderen Himmelskörpern getroffen. Messenger-Aufnahme: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Möglich sei dies dank der besonderen Lage Merkurs tief im Schwerkrafttrichter der Sonne, erklären Brett Gladman und Jaime Coffey von der University of British Columbia in Vancouver. Nicht nur der Planet selbst sei sehr rasch unterwegs – auch seine Bahn kreuzende Asteroiden hätten reichlich Fahrt aufgenommen. Folge seien hohe Einschlaggeschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Sekunde.

Bei solchen Einschlägen könnten wiederum Trümmer mit bis zu 35 Kilometern pro Sekunde ins All geschleudert werden – ein Vielfaches der Fluchtgeschwindigkeit von gut 4,2 Kilometern pro Sekunde. Mit massivem Computereinsatz verfolgten die Forscher 30 Millionen simulierte Jahre lang das Schicksal von einigen Zehntausend solcher Gesteinsbrocken. Bei einem “Geschwindigkeitsüberschuss” von 14 Kilometern pro Sekunde könnten demnach bis zu 5 Prozent der Trümmerstücke auf der Erde niedergehen. Der Anteil sinkt bei niedrigeren bzw. höheren Geschwindigkeiten, indem mehr Trümmer wieder auf den Merkur stürzen oder an der Erde vorbeischießen.

Wissenschaftler kennen bereits einige Meteoriten, die sehr wahrscheinlich vom Mond oder sogar vom Mars stammen. Nach Ansicht Gladmans und Coffeys könnten die Sammlungen auch ein Exemplar vom Merkur enthalten. Unklar ist allerdings, wie man solch einen Überläufer erkennen könnte. Laut den beiden Forschern dürften Meteoriten vom Merkur relativ groß sein, weil kleinere Exemplare durch die Bremswirkung der Sonnenstrahlung zurückgeholt worden wären. Weitere Erkennungsmerkmale erhoffen sie sich aus den Beobachtungen der Sonde Messenger, die im März 2011 in die Umlaufbahn um den sonnennächsten Planeten einschwenken wird.

Forschung: Brett Gladman und Jaime Coffey, Department of Physics and Astronomy, University of British Columbia, Vacnouver

Zur Veröffentlichung eingereicht bei Meteoritics and Planetary Science; Preprint arXiv:0801.4038

WWW:
Astronomy at the University of British Columbia
Mercury
Messenger
Mars Meteorites
Abee – More Questions Than Answers

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