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Milchstraße dicker als vermutet

Unsere Heimatgalaxie ist weniger schlank als angenommen, glauben australische und amerikanische Astronomen. Ihren Berechnungen zufolge, ist die Scheibe der Milchstraße bis zu 12.000 Lichtjahre dick – entsprechend dem Doppelten des bislang akzeptierten Wertes.

Falschfarbenpanorama der Andromeda-Galaxie zeigt in einer flachen Scheibe angeordnete Spiralarme mit hellbläulichen Nestern junger Sterne, rötlichen Staubwolken und eine gelblich schimmernde Ansammlung alter Sterne im Zentrum

Auch die große Nachbarin der Milchstraße, die Andromeda-Galaxie, ähnelt in ihrem Bau einer flachen Spirale. Das Falschfarbenbild zeigt Nester junger Sterne (hellblau), kühlen Staub (rötlich) und eine Ansammlung alter Sterne im Zentrum (gelb). Bild: NASA/JPL-Caltech

Bryan Gaensler von der University of Sydney und seine Kollegen stützen ihre Vermutung auf die Spektren einiger rotierender Sternleichen. Deren regelmäßige Strahlungspulse werden auf dem Weg zur Erde von dem dünnen ionisierten Gas zwischen den Sternen verzerrt. Anhand dieses Effekts kartierten die Forscher die Verteilung des interstellaren Mediums in der Galaxis.

Gut 100.000 Lichtjahre weit, ist die Scheibe der Milchstraße demnach weniger oblatendünn als vermutet. Dieses Resultat habe nur wenige Stunden Zeit und einen Internetzugang erfordert, erinnert sich Gaensler. „Wir erwogen verschiedene Vorstellungen von der Größe der Galaxis und kamen zu dem Schluss, dass wir die üblicherweise genannten Werte überprüfen müssten.“

Kurzerhand besorgten sich die Astronomen Spektren von rund 60 Pulsaren, die über bzw. unter der Milchstraßenscheibe stehen und deren Entfernungen zur Erde relativ gut bekannt sind. Die Strahlung dieser ausgebrannten Sterne wird durch Wechselwirkung mit freien Elektronen im interstellaren Medium leicht „gebremst“ – und das umso stärker, je langwelliger sie ist. Anhand der unterschiedlichen Verzögerung kurz- und langwelliger Pulsanteile konnten die Forscher daher abschätzen, wie viel ionisiertes Gas die Strahlung durchlaufen hatte – und so die äußeren Grenzen des interstellaren Mediums abstecken.

Forschung: Bryan M. Gaensler, Greg J. Madsen und Shami Chatterjee, School of Physics, University of Sydney, und Department of Astronomy, University of Wisconsin, Madison; Sui Ann Mao, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts

Präsentation auf dem 211th Meeting of the American Astronomical Society, Austin; #014.20

WWW:
Gaensler & Slane Research Group
The Milky Way Galaxy
Pulsar Dispersion Measure

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