Posted in: Mond, Raumfahrt 28. Februar 2008 11:14 Weiter lesen →

Neue Mondkarte zeigt raues Terrain

Illustration zeigt ein 3D-Modell der Südpolregion mit Kratern und Senken, farblich markiertMögliche Eisvorkommen, viel Licht und ein permanenter Funkkontakt mit der Erde machen den Südpol des Mondes zu einem potenziellen Landeplatz für dauerhafte Missionen. Diese Vorzüge haben allerdings ihren Preis, zeigt die bislang genaueste Kartierung der Region durch amerikanische Forscher. Das dortige Terrain ist sehr viel schwieriger als angenommen.

In der neu kartierten Region liegen Senken und Erhebungen, die jeweils einige Kilometer unter bzw. über ‚Normalnull‘ erreichen, dicht nebeneinander. Grafik: NASA

„Wir wissen nun, dass es am Südpol Berggipfel vom Format des Mount McKinley gibt und Kraterböden, die viermal so tief sind wie der Grand Canyon“, erklärt Doug Cooke, bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zuständig für die Planung von Erkundungsmissionen. „Ein derartiges Terrain stellt eine Herausforderung dar.“

Insbesondere das Gebiet um den Krater Shackleton stellt hohe Ansprüche an die Ausrüstung künftiger Mondfahrer, ergab die neue Kartierung der Region. Der hohe Wall des tiefen Kraters gilt als besonders attraktiver möglicher Standort für eine Mondstation, da er im Laufe der Eigendrehung des Mondes nicht oder nur kurzfristig in den Licht- und Funkschatten gerät. Umgekehrt ist der Boden des Kraters ständig gegen die Sonne abgeschirmt, sodass sich hier Wassereis angesammelt haben könnte. Eine kürzlich durchgeführte Radar-Abtastung hatte allerdings Zweifel an dieser Hypothese aufkommen lassen.

Die neuen Karten und Geländemodelle besitzen eine Auflösung von 20 Metern und sind damit gut 50 Mal genauer als jene Daten, die die Mondsonde Clementine geliefert hatte. Erstellt wurden sie von Scott Hensley vom Jet Propulsion Laboratory und seinem Team. Die Forscher nutzten eine 70 Meter große Antenne in der kalifornischen Mojavewüste, um starke Radarpulse zum Südpol des Mondes zu schicken. Die reflektierte Strahlung fingen sie mit zwei kleineren Antennen auf und konnten anhand des Reflexionsmusters auf die Gestalt der Region schließen.

Noch genauere Daten, mit einer Auflösung von 1 Meter, soll der gegen Ende des Jahres startende Lunar Reconnaissance Orbiter liefern. Die Sonde soll auch die Temperaturverteilung und die Strahlung auf dem Erdtrabanten studieren, um die besten Landestellen für bemannte Mondmissionen auszuloten. Eine permanente Mondstation ist in der von US-Präsident Bush im Jahr 2004 verkündeten „Vision for Space Exploration“ als Trittstein auf dem Weg zum Mars vorgesehen. Der Nutzen dieses Konzepts war jüngst von einer Reihe von Wissenschaftlern angezweifelt worden. Sie glauben, dass sich die NASA stärker auf den Mars konzentrieren sollte.

Forschung: Scott Hensley, NASA-Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, Kalifornien; und andere

WWW:
NASA Deep Space Network
The Moon
The Moon’s Dark, Icy Poles
President Bush Announces New Vision for Space Exploration Program
NASA Urged to Focus on Sending People to Mars

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Erdmond mit Seltenheitswert
Keine Eis-Lager auf dem Mond
Permanente Beleuchtung am Mond-Nordpol

Posted in: Mond, Raumfahrt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.