Posted in: Planeten, Sonnensystem 12. März 2008 15:15 Weiter lesen →

Aerodynamischer Meteorit

carancas-krater_300 Im September 2007 schlug ein Meteorit nahe der peruanischen Ortschaft Carancas ein und hinterließ einen 15 Meter weiten Krater. Eigentlich hätte es dieses Ereignis gar nicht geben dürfen, hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. Ihren Berechnungen zufolge, raste der Gesteinsbrocken derart schnell durch die Atmosphäre, dass ihn der „Fahrtwind“ hätte sprengen und abbremsen müssen.

Foto: Peter Schultz, Brown University

„Dieser Meteorit behielt jedoch eine Geschwindigkeit bei, die 40 bis 50 Mal höher war als zu erwarten“, erklärt Peter Schultz von der Brown University. Gemessen an dem Krater, müsse das Objekt im Moment des Einschlags etwa 24.000 Kilometer pro Stunde schnell gewesen sein. Dieser Wert habe anfangs sogar Spekulationen über einen Betrug genährt. „Er steht vollkommen im Widerspruch zu allem, was wir über Steinmeteorite zu wissen glauben.“

Kurz nach dem Einschlag reisten Schultz und Kollegen an den Ort des Geschehen, um den Krater zu studieren und die Augenzeugen des Einschlags zu befragen. Wie die Gruppe auf einer Fachtagung in Texas berichtet, kam das Geschoss, ein Steinmeteorit aus der Gruppe der Gewöhnlichen Chondrite, aus östlicher Richtung und drang mindestens 3 Meter tief in den Untergrund ein. Zeugnisse seiner Wucht sind bis zu 400 Meter weit geschleuderte Bodenklumpen und Bruchflächen in Sandkörnern aus dem Kratergrund.

Die Forscher schätzen, dass das Objekt höchstens 1 Meter groß war. Der gängigen Theorie zufolge, werde ein derart „kleiner“ Steinmeteorit noch in großer Höhe durch den Druck seiner eigenen Bugwelle zu einem pfannkuchenförmigen Gebilde zerdrückt, erklärt Schultz. Die Bruchstücke würden rasch abgebremst und schließlich in alle Richtungen zerstreut. Im Falle des Carancas-Einschlags habe die hohe Ausgangsgeschwindigkeit vermutlich dazu geführt, dass die Bruchstücke innerhalb der starken Druckwelle des Meteoriten verblieben seien. „Dieser nahm eine stromlinienförmige Gestalt an und konnte die Erdatmosphäre sehr effizient durcheilen.“

Sollte diese Hypothese zutreffen, müssten die Vorstellungen über das stete Bombardement aus dem All überdacht werden, so der Forscher weiter. „Man fragt sich, wie viele andere Seen und Tümpel von Steinmeteoriten geschaffen wurden.“ Diese Frage zu klären, sei allerdings nicht einfach. Anders als ihre stabileren Vettern, würden Steinmeteoriten spätestens beim Einschlag pulverisiert und verwitterten rasch.

Forschung: Peter H. Schultz und Robert S. Harris, Department of Geological Sciences, Brown University, Providence, Rhode Island; gonzalo Tancredi, Departamento de Astronomía, Facultad de Ciencias, Universidad de la República, Montevideo; Jose Ishitsuka, Instituto Geofísico del Perú, Lima

Präsentation auf der 39th Lunar and Planetary Science Conference, League City; #2409

WWW:
Planetary Geosciences Group, Brown University
Instituto Geofísico de Perú
Einteilung der Meteorite
Carancas Impact
Earth Impact Database

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Möglicher Tunguska-Krater gefunden
Sanfter Einschlag schuf Wüstenkrater

Posted in: Planeten, Sonnensystem
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.