Posted in: Exoplaneten 19. März 2008 19:12 Weiter lesen →

Methan auf fernem Planeten

Exoplanet_Methan_300 Einen tiefen Blick in die Gashülle eines fernen Planeten haben amerikanische und europäische Forscher werfen können. Ihre Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble bestätigen nicht nur das Vorhandensein von Wasser über der heißen Oberfläche des Exoplaneten. Die Daten bergen auch den optischen Fingerabdruck von Methan, berichtet die Gruppe im Magazin „Nature“.

Bild: ESA/ NASA/ UCL (G. Tinetti)

Beide Moleküle sind auch von den meisten Planeten im Sonnensystem bekannt, auf der Erde werden sie typischerweise mit Sümpfen und Wiederkäuern in Verbindung gebracht. Angesichts einer Atmosphärentemperatur um 900 Grad Celsius ist ihr Nachweis auf HD 189733b jedoch eher aus chemisch-physikalischer Sicht interessant. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dort Kühe überleben könnten“, ulkt Giovanna Tinetti vom University College London.

Unter derzeit etwa 270 bekannten Exoplaneten hat sich HD 189733b als besonders aufschlussreich erwiesen. Wahrscheinlich ein Gasriese vom Kaliber des Jupiter, rast der Planet in extrem geringem Abstand um sein Zentralgestirn. Dabei zieht er durch die Sichtlinie zur Erde, sodass ein kleiner Teil des Sternenlichts auf dem Weg zu irdischen Teleskopen seine Atmosphäre durchläuft. Die dort vorhandenen Moleküle absorbieren das Licht bei bestimmten Wellenlängen und prägen ihm so ihren Stempel auf.

Tinetti und ihre Kollegen Mark Swain und Gautam Vasisht vom kalifornischen Jet Propulsion Laboratory nutzten Hubble, um einen Durchgang von HD 189733b zu beobachten und nach dem optischen Stempel seiner Atmosphäre zu fahnden. Tatsächlich fanden sie zwei Infrarot-Absorptionsbanden bei 1,9 und 2,2 Mikrometern Wellenlänge, die sich am ehesten durch Wasser- und Methanmoleküle erklären lassen.

Hinweise auf einen Dunstschleier in der heißen Gashülle, wie sie kürzlich entdeckt worden waren, konnte das Trio allerdings nicht reproduzieren. Auch fanden sich keine deutlichen Anzeichen für Kohlenmonoxid, welches auf der ewigen Tagseite des Planeten an die Stelle des Methans treten sollte. „Eine plausible Erklärung dafür wäre, dass die Hubble-Beobachtungen eher die dunkle Nachtseite des Planeten mit etwas kühleren Temperaturen beprobt haben“, so Tinetti.

Forschung: Mark R. Swain und Gautam Vasisht, Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena, und Giovanna Tinetti, Department of Physics and Astronomy, University College London

Veröffentlichung Nature, Vol. 452, 20. März 2008, pp 329-31, DOI 10.1038/nature06823

WWW:
Jet Propulsion Laboratory
Astrophysics Group, University College London
Hubble, ESA
Extrasolar Planets Encyclopaedia

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