Posted in: Planeten 20. März 2008 20:01 Weiter lesen →

Titan gut geschmiert?

Titan in Saturn-Nähe Der Titan besitzt vielleicht doch einen Ozean. Diesen Schluss ziehen amerikanische und italienische Forscher aus der ungewöhnlich raschen Eigendrehung des Saturnmondes. Ihrer Ansicht nach lässt sich das Phänomen am ehesten durch eine flüssige Schicht aus Wasser und Ammoniak unter der eisigen Kruste erklären.

Der Titan, nahe an seinem Planeten. Aufnahme: NASA/JPL

Auf dieser Schicht gelagert, könnte sich die Kruste relativ leicht gegen das feste Innere des Saturnmondes drehen, erläutern die Forscher um Ralph Lorenz vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University im Magazin „Science“. Damit ließe sich die beobachtete Schwankung der Tageslänge durch das jahreszeitliche Drehen der Hauptwindrichtung erklären.

Titan umkreist den Saturn alle 16 Tage und sollte sich in der gleichen Zeit auch einmal um die eigene Achse drehen. Dem ist allerdings nicht so, hatten Lorenz und Kollegen bei der Analyse von Daten der Sonde Cassini entdeckt. Deren Radarabtastungen im Jahr 2007 zeigten, dass sich die Oberfläche Titans seit dem Jahr 2004 etwas weiter gedreht hatte als erwartet. Auch auf Erde und Mars wirken sich die Jahreszeiten auf die Tageslänge aus. Allerdings beträgt die Variation hier nur etwa 1 Millisekunde, während der Titan einige Minuten „vorgeht“.

Die Berechnungen der Forscher zeigen, dass dieses Phänomen durch ein Umschlagen der atmosphärischen Zirkulation erklärt werden kann. Das gilt allerdings nur, wenn sich zwischen einer schätzungsweise 70 Kilometer mächtigen Eiskruste und dem festen Inneren eine flüssige Schmierschicht befindet. Müssten die Winde gegen das volle Trägheitsmoment des Titan arbeiten, würde das von ihnen ausgeübte Drehmoment nicht ausreichen, um den beobachteten Effekt herbeizuführen.

Dem Modell von Lorenz und Kollegen zufolge, sollte sich die Eigendrehung des Titan noch bis ins Jahr 2009 beschleunigen, um dann – mit Einzug des Winters auf der Nordhalbkugel – wieder langsamer zu werden. Weitere Beobachtungen Cassinis könnten die Ozean-Hypothese also schon bald widerlegen oder bekräftigen. Im letzteren Fall wäre Titan die vierte Welt im Sonnensystem, unter deren Oberfläche ein flüssiger Ozean vermutet wird. Entsprechende Hinweise gibt es bereits für die Jupitermonde Europa, Callisto und Ganymed.

Forschung: Ralph D. Lorenz, Space Department, Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Laurel, Maryland; Bryan W. Stiles, Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; Randolph L. Kirk, US Geological Survey, Flagstaff, Arizona; und andere; veröffentlicht in „Science“, Vol. 319, 21. März 2008, pp 1649-51, DOI 10.1126/science.10.1126/science.1151639

WWW:
Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory
Cassini-Huygens, NASA
Titan: An Earth-like Alien

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