Posted in: Astrobiologie, Kosmos 26. März 2008 11:49 Weiter lesen →

Aminosäure-Verwandter im All

iram-30m_300 Noch bevor sich ein Planet gebildet hat, kann es in seiner Umgebung ein vielfältiges „Gebräu“ von Kohlenstoffverbindungen geben. Diese Ansicht bekräftigen neue Beobachtungen Bonner und Kölner Forscher. In einer Gaswolke nahe des Milchstraßenzentrums konnten sie den Fingerabdruck einer Verbindung nachweisen, die Ähnlichkeit mit der einfachsten Aminosäure Glycin aufweist.

Das 30-Meter-Radioteleskop der französisch-spanisch-deutschen IRAM in Südspanien. Foto: IRAM

„Die Entdeckung von Aminoacetonitril hat unser Verständnis der chemischen Vorgänge in dichten, heißen Sternentstehungsgebieten deutlich erweitert“, erklärt Karl Menten, Direktor und Leiter der Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. „Ich denke, wir werden in Zukunft zahlreiche weitere, noch komplexere organische Moleküle im interstellaren Gas nachweisen können. Mehrere Kandidaten haben wir schon!“

Bis heute sind mehr als 140 verschiedene Moleküle im Weltall identifiziert worden, darunter so vertraute Verbindungen wie Formaldehyd und Ameisensäure, Ethanol und Essigsäure oder Glykol. Ausgerechnet die Aminosäuren als wichtige Biomoleküle fehlen jedoch in der Sammlung. Trotz intensiver Suche wurden sie bislang nur in Meteoriten gefunden, für den Raum zwischen Sternen und Galaxien stand ein sicherer Nachweis noch aus.

Grafik zeigt Modellansicht des MolekülsMenten und Kollegen nutzten das 30 Meter große IRAM-Radioteleskop in Südspanien, um eine dichte Gaswolke im Sternentstehungsgebiet Sagittarius B2 unter die Lupe zu nehmen. Der Gasklumpen hat einen Durchmesser von 0,3 Lichtjahren – entsprechend rund 250 Sonnensystemen – und wird von innen heraus durch einen jungen Stern aufgeheizt. Die Beobachtungen lieferten einen dichten Wald aus 3.700 Spektrallinien, die von energetisch angeregten Molekülen ausgesandt werden. Von diesen Linien ließen sich 51 dem Aminoacetonitril (NH2-CH2-CN) zuordnen, berichtet die Gruppe demnächst im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“.

Aminoacetonitril. Grafik: Sven Thorwirth, MPIfR

Weitere Beobachtungen bestätigten, dass sämtliche Linien dieses spektralen Fingerabdrucks von der gleichen Position in dem Gasklumpen stammen. Aufgrund früherer Entdeckungen von Kohlenstoffverbindungen ist der Klumpen in Fachkreisen bereits als „Large Molecular Heimat“ bekannt.

Forschung: Arnaud Belloche, Karl M. Menten und Holger S.P. Müller, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn, und I. Physikalisches Institut der Universität zu Köln; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361:20079203; Preprint arXiv:0801.3219

WWW:
Millimeter & Submillimeter Astronomy Group, MPI für Radioastronomie
Die Suche nach Biomolekülen in interstellaren Wolken
IRAM 30m Telescope
Interstellar Chemistry

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Negativ-Fund im All

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