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Planetenbildung in flagranti?

Donnerstag, 27. März 2008, 17:32 • Rubrik Exoplaneten, Sterne.

Al-Aurigae_300 Einen Blick auf einen angehenden Planeten haben amerikanische Astronomen möglicherweise erhascht. Bei ihren Beobachtungen eines jungen Nachbarsterns der Sonne fanden sie, dass die Gas- und Staubscheibe um den Stern eine verdächtige Lücke aufweist. In der Lücke selbst lässt sich zudem ein kleiner “Knoten” erahnen.

Im polarisierten Infrarot betrachtet, wirkt die Scheibe um AB Aurigae regelrecht angebissen. Bild: The Lyot Project.

“Dies alles könnte auf die Bildung eines kleinen Objekts hinweisen, eines Planeten oder eines Braunen Zwergs”, erklärt Ben Oppenheimer vom American Museum of Natural History in New York. Das Objekt könnte mit seiner Schwerkraft das Material in seiner Umgebung angezogen und so die Lücke erzeugt haben. Seine Existenz muss allerdings durch weitere Beobachtungen bestätigt werden.

Oppenheimer und Kollegen nutzten das AEOS-Teleskop auf dem Hawaiivulkan Haleakala, um die Umgebung des Sterns AB Aurigae zu studieren. Gut 470 Lichtjahre von der Sonne entfernt, ist der Stern höchstens 3 Millionen Jahre alt. Von seiner Jugend zeugt unter anderem eine große Scheibe aus Gas und Staub, in der nach und nach Planeten heranwachsen könnten. Dieser Prozess ist vielleicht schon im vollen Gange, berichtet die Gruppe demnächst im “Astrophysical Journal”.

Die Astronomen führten ihre Beobachtungen mit einem Koronographen durch, der den hell strahlenden Stern selbst ausblendet und so einen besonders guten Blick auf dessen Umgebung ermöglicht. Zudem konzentrierten sie sich auf polarisiertes Licht, wie es auf die Streuung des Sternenlichts in der Scheibe zurückgeht.

Zur Verblüffung der Forscher wirkt die Scheibe auf den Aufnahmen regelrecht angebissen. Im nordwestlichen Sektor gibt es einen Bereich geringer Materialdichte, der beiderseits in einem Winkelabstand von 60 Grad von dichteren Gasklumpen flankiert wird. Damit nicht genug: Inmitten der ausgedünnten Region, im Abstand von knapp 100 Erdbahnradien vom Stern, deutet sich schemenhaft eine kleine Infrarotquelle an. Möglicherweise zeichne sich hier ein Gasriese oder aber ein Gasstrudel um einen kleineren Planeten ab, so die Astronomen.

Die Struktur seiner zirkumstellaren Scheibe mache AB Aurigae zu einem faszinierenden Studienobjekt, so Oppenheimer weiter. Möglicherweise befinde sich der Stern in einem kurzen Zwischenstadium zwischen Scheibe und Planetensystem. Sollte es sich bei dem vermutlichen Begleiter dagegen um einen Braunen Zwerg handeln, müssten die derzeitigen Theorien zur Entstehung dieser Beinahe-Sterne revidiert werden.

Forschung: Ben R. Oppenheimer und Douglas Brenner, Department of Astrophysics, American Museum of Natural History, New York; David M. Harrington, Institute for Astronomy, University of Hawaii, Honolulu; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 680, 10. Juni 2008; Preprint arXiv:0803.3629

WWW:
Department of Astrophysics, American Museum of Natural History
The Lyot Project
Star and Planet Formation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Reichlich Stoff für Mini-Planetensysteme
Wenig Zeit für Gasriesen


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