Posted in: Sonnensystem, Sterne 21. April 2008 12:50 Weiter lesen →

Eruptionen lassen die Sonne dröhnen

Falschfarbenbild zeigt die Sonne als grünliche Kugel mit hellen und dunklen Gebieten und gleißend hellen Eruptionen an der Oberfläche Magnetische Kurzschlüsse auf der Sonne versetzen das gesamte Gestirn in Schwingung. Entsprechende Resultate präsentieren zwei dänische Astronomen im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ und bestätigen damit eine mehr als 30 Jahre alte Vermutung. Je häufiger die als Flares bezeichneten Explosionen auftreten, umso stärker hebt und senkt sich demnach die Oberfläche der Sonne.

Besonders gut offenbart sich das turbulente Geschehen an der Sonnenoberfläche im ultravioletten Licht. Bild: SOHO/EIT (ESA & NASA)

Schon seit längerem wissen Forscher um solche Oszillationen mit einem Takt von einigen Minuten. Bislang sei man jedoch davon ausgegangen, dass diese Schwingungen vornehmlich durch die turbulenten Materialströme nahe der Sonnenoberfläche angeregt würden, erläutert Christoffer Karoff von der Universität Århus. Das jetzt identifizierte Muster erinnere jedoch eher an das Dröhnen einer kräftig geschlagenen Glocke, wie es auch im Falle der Erde nach dem schweren Seebeben vor Sumatra im Jahre 2004 beobachtet worden sei.

Karoff und sein Doktorvater Hans Kjeldsen kombinierten Daten, die das amerikanisch-europäische Sonnenobservatorium SOHO und amerikanische GOES-Satelliten über einen Zeitraum von zehn Jahren gesammelt hatten. Der Sonnensatellit registrierte häufig starke Oberflächenschwingungen, wenn seine geostationären Pendants sehr zahlreiche oder intensive Ausbrüche von Röntgenstrahlung als Zeichen von Flares auf der Sonne beobachtet hatten.

Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang im Bereich von Oszillationen mit einer Periode von weniger als drei Minuten. „Die Korrelation war derart stark, das kein Raum für Zweifel bleibt“, so Karoff weiter. Auf welche Weise die Eruptionen die Sonne in Schwingung versetzten, könne man derzeit allerdings noch nicht genau sagen.

Zu einem Flare kommt es, wenn stark verdrehte Magnetfelder an bzw. über der Sonnenoberfläche plötzlich in eine neue Anordnung einschnappen – vergleichbar einer Seifenhaut, die sich im Luftstrom zunächst ausbeult und schließlich eine Seifenblase abschnürt. Neben energiereicher Strahlung kann die Sonne bei solchen Ereignissen auch große Mengen elektrisch geladener Teilchen ins All schleudern, die auf der Erde zum Ausfall von Kommunikations- und Stromnetzen führen können.

Forschung: Christoffer Karoff und Hans Kjeldsen, Institut for Fysik og Astronomi, Aarhus Universitet, Århus

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 678(1), 1. Mai 2008, L73-L76, DOI 10.1086/588466; Preprint arXiv:0803.3137

WWW:
Homepage Hans Kjeldsen, Universität Århus
SOHO
Flares

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