Posted in: Sterne 14. Mai 2008 19:00 Weiter lesen →

Jüngste Supernova in der Milchstraße gefunden

Zwei Radiokarten des Supernova-Rests in den Jahren 1985 und 2008; halbmondförmige, gelb bis rot gefärbte Konturen vor blauem Hintergrund Während Europa von der Industrialisierung erfasst wurde, explodierte im Sternbild Schütze ein Stern. Die resultierende „Trümmerwolke“ breitet sich noch heute mit großer Geschwindigkeit im All aus, haben britische und amerikanische Astronomen beobachtet. In nur 22 Jahren ist ihr Durchmesser um gut 16 Prozent gewachsen.

Radioaufnahmen aus den Jahren 1985 und 2008 zeigen die rasche Ausdehnung des Supernova-Rests. Bilder: Green et al./NRAO/NSF/Associated Universities, Inc.

Die Supernova kann sich also vor höchstens 150 Jahren ereignet haben, folgern die Forscher um Dave Green von der University of Cambridge und Stephen Reynolds von der North Carolina State University. Damit sei der Supernova-Rest der mit Abstand jüngste seiner Art in der Milchstraße und helfe, eine Lücke in den Beobachtungsdaten zu schließen. Statistisch gesehen, sollte sich in der Galaxis nämlich alle paar Jahrzehnte eine Supernova ereignen. Bislang seien aber nur 10 Supernova-Reste mit einem Alter von weniger als 2.000 Jahren identifiziert worden.

Ein Grund dafür könnten dichte Staubschleier sein, wie sie seinerzeit Astronomen den Blick auf die Region nahe des Milchstraßenzentrums verwehrten. Green hatte den unter der Bezeichnung G1.9+0.3 katalogisierten Überrest der Explosion im Jahr 1985 mit Hilfe von Radioteleskopen entdeckt. Gemeinsam mit seinen Kollegen nahm er die Radioquelle mit dem nordamerikanischen Very Large Array und dem Röntgensatelliten Chandra nun erneut unter die Lupe.

Die Resultate bestätigten die Vermutung, dass es sich bei der kompakten Strahlungsquelle um einen Supernova-Rest handelte, berichten die Astronomen in den zwei demnächst erscheinenden Fachartikeln. Sie zeigten zudem, dass sich die Kugelschale aus heißem Gas seit den ersten Beobachtungen rasch ausgedehnt hat. Ausgehend von einer Entfernung von 28.000 Lichtjahren, schätzen die Forscher, dass das bei der Explosion fortgeschleuderte Material mit etwa 14.000 Kilometern pro Sekunde durch das dünne interstellare Medium rast.

Forschung: David A. Green, Astrophysics Group, Cavendish Laboratory, University of Cambridge; Stephen P. Reynolds, Department of Physics, North Carolina State University, Raleigh; Robert Petre, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; und andere

Veröffentlichungen Monthly Notices of the Royal Astronomical Society und Astrophysical Journal Letters; Preprints arXiv:0803.1487 und arXiv:0804.2317

WWW:
David Green, Cavendish Laboratory
G1.9+0.3
Stephen Reynolds, North Carolina State University
Supernovae
Very Large Array
Chandra

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
„Supernova-Fabrik“ in der Milchstraße
Kosmische Staubfabrik
Fruchtlose Supernova

Posted in: Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.