Sternquartett auf engstem Raum

21. Mai 2008 18:02 Drucken

Illustration zeigt zwei orangefarbene bzw. rote Sternpaare inmitten eines großen Gaswirbels Ein Fund mit Seltenheitswert ist einer internationalen Astronomengruppe geglückt. Bei einem vermeintlichen Stern in der Nachbarschaft der Sonne handelt es sich tatsächlich um eine Gruppe von vier kleinen Sternen, die sich gegenseitig umkreisen. Das erstaunliche Quartett benötigt für seinen Tanz nicht mehr Fläche als der Jupiter auf seinem Weg um die Sonne aufspannt.

Die vier Sterne sind möglicherweise in einer einzigen Gasscheibe entstanden. Grafik: K. Teramura, UH IfA

Aufgrund dieser geringen Abmessungen erscheint das System in 166 Lichtjahren Entfernung selbst den stärksten Teleskopen am Erdboden als einheitlicher Lichtfleck, erläutert Evgenya Shkolnik von der Universität Hawaii. Im Lichtspektrum dieses Flecks macht sich die Bewegung der vier Sterne jedoch in Form individueller “Zacken” bemerkbar.

Shkolnik und Kollegen fiel dieses Spektrum auf, als sie das Objekt mit der Bezeichnung BD -22º5866 im Rahmen eines groß angelegten Beobachtungsprogramms studierten. Anhand der Verschiebung der einzelnen Zacken ermittelte die Gruppe, dass sich die vier Sterne paarweise umkreisen. Zudem kommt es in einem der Paare regelmäßig zu “Finsternissen”, indem einer der Partner durch die Sichtlinie zur Erde wandert.

Die Sterne des einen Paares umkreisen sich alle 2,2 Tage in rund 10 Millionen Kilometern Abstand, berichten Shkolnik und Kollegen auf einer Fachtagung im kanadischen Victoria, die des anderen Paares bringen es immerhin auf 55 Tage und 39 Millionen Kilometer. Die beiden Paare schließlich umkreisen einander auf einer bis zu 900 Millionen Kilometer weiten elliptischen Bahn und dürften dafür etwa 6 Jahre benötigen. Zum Vergleich: Die Erde hält auf ihrem Weg um die Sonne einen Abstand von gut 150 Millionen Kilometern.

Die Herausforderung liege darin, die Bildung des stellaren Quartetts zu verstehen, erklärt Shkolnik. “Die Sterne können nicht derart nahe beieinander entstanden sein.” Vielleicht seien die vier Sterne in einer ausgedehnten Gasscheibe entstanden und darin allmählich abgebremst worden, sodass sie im Laufe von Jahrtausenden näher an ihre Vettern herangerückt seien. “Es ist schon erstaunlich, was uns ein einziges Spektrum über Gegenwart und Vergangenheit dieser Sterne verraten kann”, so die Forscherin.

Forschung: Evgenya Shkolnik und Michael C. Liu, NASA Astrobiology Institute, Institute for Astronomy, University of Hawaii, Manoa; David M. Wilson, Astrophysics Group, Keele University, Keele; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal Letters; Preprint arXiv:0805.0312; Präsentation auf dem Annual Meeting of the Canadian Astronomical Society CASCA 08, Victoria

WWW:
Evgenya Shkolnik, University of Hawaii
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