Jupiters neuer roter Fleck
22. Mai 2008
Auf dem Jupiter ist etwas im Gange, belegen neue Beobachtungen amerikanischer Astronomen. Zu dem berühmten großen roten Fleck und seinem kürzlich entstandenen, kleineren Pendant hat sich nun ein drittes Exemplar gesellt. Gleichzeitig hat die Turbulenz in der Atmosphäre des Gasriesen merklich zugenommen.
Der neue rote Fleck (ganz links) könnte in einigen Wochen auf sein berühmtes und ungleich größeres Pendant treffen. Bild: NASA, ESA, and M. Wong and I. de Pater (University of California, Berkeley)
Der neue rote Fleck ist deutlich kleiner als seine beiden Pendants und bewegt sich im gleichen Wolkenband auf der Südhalbkugel des Planeten, ermittelten die Forscher um Imke de Pater und Philip Marcus von der University of California in Berkeley. Auf seinem derzeitigen Kurs dürfte er in einigen Wochen auf den großen roten Fleck treffen. Entweder prallt er an seinem großen Vetter ab oder wird von ihm geschluckt.
Bei den roten Flecken handelt es sich um Wirbelstürme, die einige Kilometer über die umliegende Wolkendecke ragen. Das große Exemplar ist Astronomen bereits seit Jahrhunderten bekannt. Das zweite war dagegen im Jahr 2000 aus der Verschmelzung dreier weißer Wirbel hervorgegangen und hatte erst danach die ziegelrote Farbe angenommen. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen ist, dass ein starker Wirbel Material aus tieferen Atmosphärenschichten zutage fördern kann, das sich unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung verfärbt.
Die Gruppe um de Pater und Marcus führte ihre Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble und einem der Keck-Teleskope auf Hawaii durch. Zudem nutzte sie eine umfangreiche Datensammlung über Objekte in der Jupiteratmosphäre, die ein internationales Netzwerk von Amateurastronomen aufgebaut hat.
Ähnlich seinen zwei Vettern, reflektiert demnach auch der dritte rote Fleck stark im Infrarotlicht. Daher muss er sich ebenfalls über die Umgebung mit ihrem Infrarot absorbierendem Methan erheben. Derweil ermittelte eine weitere Astronomengruppe, dass die Windgeschwindigkeit in dem zweiten roten Fleck gut 600 Kilometer pro Stunde erreicht. In diesen und weiteren Befunden sieht Marcus eine Bestätigung für seine Vermutung, dass die Atmosphäre des Jupiter zyklische Veränderungen durchmacht, in deren Verlauf die großen Wirbel zeitweise vollständig verschwinden.
Forschung: Imke de Pater und Philip S. Marcus, Astronomy Department und Department of Mechanical Engineering, University of California, Berkeley; Andrew F. Cheng und Harold A. Weaver, Johns Hopkins Applied Physics Laboratory, Laurel, Maryland; und andere
Veröffentlichung Astronomical Journal, Vol. 135, pp. 2446-52, DOI 10.1088/0004-6256/135/6/2446
WWW:
Imke de Pater, UC Berkeley
- Jupiter’s Red Spots
Philip Marcus, UC Berkeley
JUPOS - Database for Object Positions on Jupiter
The Weather on Jupiter
Guides to Jovian Activity
Hubble, Keck Observatory
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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