Posted in: Sterne 27. Mai 2008 19:33 Weiter lesen →

Stern mit Speckgürtel

Grafik zeigt gleißend hellen Punkt, umgeben von einem innen hellgelben, nach außen dunkelrot werdenden Torus Bonner Astronomen ist es erstmals gelungen, Strukturen bei einem Stern außerhalb der Milchstraße zu beobachten. Ihre Aufnahmen lassen vermuten, dass der Riesenstern tatsächlich nur etwa die Hälfte der Masse besitzt, die ihm bislang zugeschrieben worden war. Der Grund für die Täuschung liegt in einem breiten Ring aus Gas und Staub, der den Stern in der Großen Magellanschen Wolke wie ein Speckgürtel umgibt.

Der Blick auf den sterbenden Überriesen scheint weniger stark durch Gas und Staub getrübt zu werden als vermutet. Illustration: ESO

„Frühere Schätzungen hatten die Ausgangsmasse von WOH G64 auf das 40-Fache der Sonnenmasse beziffert“, erklärt Keiichi Ohnaka vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Bei dieser Masse sollte die Temperatur des Sterns theoretisch jedoch sehr viel höher liegen als beobachtet, so der Forscher. „Seine Existenz stellte daher ein Rätsel dar.“

Ohnaka und Kollegen konnten dieses Rätsel nun auflösen, indem sie den etwa 163.000 Lichtjahre entfernten Riesenstern mit den Großteleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile studierten. Die Forscher schalteten die 8,2-Meter-Teleskope paarweise zu einem einzigen Instrument mit einem ungleich höheren Auflösungsvermögen zusammen. Durch Kombination der Beobachtungsdaten mit Modellrechnungen fanden sie, dass das von dem alternden Stern ausgestoßene Material wohl keine Kugelschale bildet, sondern einen ausgedehnten Ring.

Wahrscheinlich werde das Sternenlicht auf seinem Weg zur Erde also weniger stark gedämpft als bislang angenommen, erläutern die Forscher im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“. Das bedeute umgekehrt, dass man die wahre Leuchtkraft und damit die Masse des Sterns weniger stark nach oben korrigieren müsse. Anfänglich habe des der rote Überriese wohl „nur“ auf 25 Sonnenmassen gebracht.

„Des ungeachtet sprechen alle Anzeichen dafür, dass der Stern eine höchst instabile Phase durchmacht, die mit einem großen Masseverlust einhergeht“, erklärt Markus Wittkowski von der ESO in Garching. „Wir schätzen, dass der ihn umgebende Gürtel aus Gas und Staub zwischen 3 und 9 Sonnenmassen enthält. Das bedeutet, dass der Stern bereits ein Zehntel bis ein Drittel seiner Ausgangsmasse verloren hat.“

Forschung: Keiichi Ohnaka, Thomas Driebe, Karl-Heinz Hofmann und Gerd Weigelt, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn; Markus Wittkowski, European Southern Observatory, Garching

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 484, pp 371 ff, DOI 10.1051/0004-6361:200809469; Preprint arXiv:0803.3823

WWW:
Infrared Astronomy Group, MPIfR Bonn
Spätphasen der Sternentwicklung
Very Large Telescope Array, ESO
Large Magellanic Cloud
Interferometry 101

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