Posted in: Mond 5. Juni 2008 13:43 Weiter lesen →

Beton aus Mondstaub

Foto zeigt Schuhabdruck im Mondstaub Künftige Mondstationen könnten einen Großteil ihres Baumaterials aus vor Ort vorhandenen Ressourcen gewinnen. Amerikanische Physiker haben ein Rezept für „Mondbeton“ entwickelt, für das neben reichlich Mondstaub lediglich etwas Kohlenstoff und Epoxidharz benötigt wird.

Der auf dem Mond beinahe allgegenwärtige Regolith könnte sich als nützlich erweisen. Bild: NASA

Aus diesem Material lassen sich beispielsweise Spiegel für riesige Teleskope herstellen, haben Peter Chen von der Catholic University of America und seine Kollegen von der NASA ermittelt. Zwar biete der Mond beinahe ideale Bedingungen für den Betrieb solcher Großteleskope. Müsste man die nötigen Bauteile jedoch auf der Erde herstellen, würde allein der Transport zum Mond eine kaum überwindbare Hürde darstellen.

Bereits seit einigen Jahren entwickelt Chen mit Kohlenstofffasern verstärkte Teleskopspiegel. Nun variierten der Forscher und seine Kollegen das Rezept: Statt der Kohlefasern nahmen sie Kohlenstoff-Nanoröhrchen und vermengten diese mit etwas flüssigem Epoxidharz und einem mineralischen Puder, dessen Zusammensetzung und Korngröße der von Mondstaub ähnelt. Nach dem Aushärten des Harzes wies das Material eine ähnliche Festigkeit wie Beton auf, berichten die Forscher auf einer Astronomentagung in St. Louis.

Versuchsweise versetzten Physiker eine 30 Zentimeter große Scheibe dieses Materials in Drehung und beträufelten sie mit weiterem Epoxidharz. Das langsam aushärtende Harz wurde durch die Zentrifugalkraft zum Rand der Scheibe gedrückt, sodass deren Oberfläche allmählich die flache Schüsselform eines Parabolspiegels annahm. „Diesen Rohling mussten wir nur noch mit etwas Aluminium beschichten und – voilà! – hatten einen stark reflektierenden Teleskopspiegel“, so Chens Kollege Douglas Rabin. Auf dem Mond mit seiner geringen Schwerkraft könnten auf diese Weise bis zu 50 Meter große Spiegel hergestellt werden.

Auch Sonnenkollektoren für die Energieversorgung einer Mondstation ließen sich mit dieser Methode produzieren, glauben die Forscher. Und ohne zusätzliche Beschichtung könne der Mondbeton, wie sein irdisches Pendant, als ganz normales Baumaterial fungieren. „Da der Großteil des Materials bereits vor Ort in Form von Staub vorhanden ist, bräuchte man nicht viel mitbringen“, ist Chen überzeugt.

Forschung: Peter C. Chen, Douglas Rabin, Michael E. Van Steenberg und Ron J. Oliversen, Department of Physics, Catholic University of America, Washington, D.C., und NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland

Präsentation auf dem 212th Meeting of the American Astronomical Society, St. Louis; #25.07

WWW:
IACS, Catholic University of America
JSC-1 Lunar Soil Simulant
Epoxidharz

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Mondstaub kann Solarzellen tragen

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