Gezerre lässt Galaxien aufleuchten
24. Juni 2008
Begegnungen der unsanften Art könnten erklären, dass einige Galaxien besonders hell leuchten. Taiwanische Astronomen haben ermittelt, dass die meisten der leuchtstarken Seyfertgalaxien in ein Schwerkraft-Ringen mit einer Schwester verwickelt zu sein scheinen. Bei weniger auffälligen Galaxien sind entsprechende Spuren dagegen eher selten.
Erst im Radiobereich zeigt sich, dass die Galaxie NGC 5548 in Schwerkraft-Wechselwirkung mit zwei Nachbarinnen steht. Bilder: Kuo et al., NRAO/AUI/NSF
Ein solches Schwerkraft-Gezerre könne das Innere der Galaxie in Aufruhr versetzen, erklärt Ya-Wen Tang von der Academia Sinica und der Nationaluniversität Taiwans in Taipei. Als Folge stürze zusätzliches Material in das Schwarze Loch im Galaxienzentrum und sende dabei intensive Strahlung aus. “Unser Vergleich enthüllt eine klare Verbindung zwischen engen galaktischen Begegnungen und der auf ein Schwarzes Loch zurückgehenden Aktivität”, so der Forscher.
Frühere Studien mit optischen Teleskopen hatten keine eindeutigen Belege für eine solche Verbindung geliefert. Tang und Kollegen nutzten dagegen die großen Radioantennen des Very Large Array im US-Bundesstaat New Mexico, um nach der Radiostrahlung von Wasserstoffatomen zu fahnden, der Grundsubstanz von Sternen und Galaxien.
Tatsächlich lieferten die Beobachtungen bei 17 von 18 Seyfertgalaxien Hinweise auf enge Begegnungen mit anderen Galaxien, etwa eine verzerrte Verteilung des Wasserstoffs und lange Gasfilamente. Ähnliche Anzeichen fanden sich dagegen bei nur 3 von 21 ähnlich gebauten, aber nicht auffällig hell strahlenden Galaxien, berichtet die Gruppe im “Astrophysical Journal”.
Die Erscheinung der Seyfertgalaxien im Radiobereich stehe im dramatischen Kontrast zu jener im sichtbaren Bereich des Spektrums, so die Forscher. “Unsere Resultate belegen, dass Aufnahmen des Wasserstoffgases ein effizientes Werkzeug sind, um ansonsten nicht sichtbare Schwerkraft-Wechselwirkungen zwischen Galaxien aufzudecken”, erklärt Tangs Kollege Jeremy Lin.
Forschung: Cheng-Yu Kuo, Jeremy Lin, Ya-Wen Tang und Paul T.P. Ho, Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica, und Department of Physics, National Taiwan University Taipei, Department of Astronomy, University of Virginia, Charlottesville, und Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts
Veröffentlichungen Astrophysical Journal, Vol. 679(2), pp 1047-93, DOI 10.1086/587044 und pp 1094-1127, DOI 10.1086/587045; Preprints arXiv:0802.4205 und arXiv:0802.4265
WWW:
Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica
Active Galaxies and Quasars
Colliding Galaxies
Very Large Array, NRAO
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