Posted in: Sonnensystem 10. Juli 2008 19:02 Weiter lesen →

Steinbrüche für Meteoriten

Foto zeigt einen knollenförmigen, hellbräunlich gefärbten Asteroiden mit einigen Einschlagkratern und in etwas Abstand einen winzigen Begleiter Tag für Tag gehen Tausende Tonnen kosmischer Gesteinsbrocken auf der Erde nieder. Erst jetzt hat ein brasilianisch-amerikanisches Forscherduo mögliche Ursprungskörper für den mit Abstand häufigsten Meteoritentyp ausfindig gemacht. Der praktisch identischen „Farbe“ nach zu urteilen, dürfte es sich um Trümmerstücke aus der gewaltsamen Entstehung dreier junger Asteroidenfamilien handeln.

Der Asteroid Ida und sein „Mond“ Dactyl. Bild: NASA/JPL/USGS

Die drei Familien gehen auf Kollisionen zurück, die sich vor höchstens 600.000 Jahren im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter ereignet haben. Und in dieser kurzen Zeit seien sie wohl nur wenig verwittert, vermuten Thais Mothé Diniz vom Nationalen Observatorium in Rio de Janeiro und ihr Kollege David Nesvorný vom Southwest Research Institute in Boulder. Daher weise ihre Oberfläche noch die gleiche urtümliche Zusammensetzung auf, wie sie auch bei gut 75 Prozent aller Meteoriten beobachtet werde.

Diese Meteoriten aus der Klasse der „Gewöhnlichen Chondriten“ sind für Astronomen besonders interessant, da ihre Zusammensetzung Rückschlüsse über die Frühzeit des Sonnensystems und die Phase der Planetenbildung zulässt. Ganz anders das Erscheinungsbild der bislang studierten Asteroiden: Die Art und Weise, wie sie das Sonnenlicht reflektieren, lässt vermuten, dass sich ihre Oberflächen unter der Einwirkung energiereicher Strahlung und kleiner Einschläge stark verändert haben.

Erst kürzlich hatten Mothé Diniz und Nesvorný gemeinsam mit weiteren Astronomen eine Reihe offenbar sehr junger Asteroidenfamilien identifiziert. Deren Mitglieder kreisen noch auf sehr ähnlichen Bahnen um die Sonne, die sich – per Computer zurückverfolgt – vor 50.000 bis 600.000 Jahren in gemeinsamen Punkten treffen. Das Forscherduo nutzte nun die beiden großen Gemini-Teleskope auf Hawaii und in Chile, um einige Mitglieder von drei dieser Familien genauer unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich sind die Reflexionsspektren der Asteroiden praktisch identisch mit denen von Gewöhnlichen Chondriten.

Dieses Resultat bestätige die Vermutung, dass Asteroiden verwitterten und damit äußerlich alterten, schreiben Mothé Diniz und Nesvorný im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“. Nun könne man nicht nur das Alter eines Meteoriten bestimmen, sondern auch seine Herkunft eingrenzen. Damit eröffneten sich tiefe Einblicke in die Vergangenheit des Sonnensystems.

Forschung: Thais Mothé Diniz, Observatório Nacional, Rio de Janeiro, und David Nesvorný, Department of Space Studies, Southwest Research Institute, Boulder, Colorado

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 486, L9-L12, DOI 10.1051/0004-6361:200809934

WWW:
Observatório Nacional, Rio de Janeiro
David Nesvorný, Southwest Research Institute
Gemini Observatory
Einteilung der Meteorite
Asteroid Family

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Meteoriten vom Merkur
Auch Asteroiden altern
Neue Asteroidenfamilie entdeckt


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