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Polarstern mit neuem Schwung

Montag, 21. Juli 2008, 6:00 • Rubrik Sterne.

Der Polarstern und ein Begleiter als große und kleine weißlich gleißende Kugeln vor schwarzem Hintergrund Schon in der Antike der Leitstern der Seefahrer, hat sich der Polarstern offenbar noch nicht ganz mit dem Altern abgefunden. Eine internationale Astronomengruppe hat beobachtet, dass die typischen Helligkeitsschwankungen des Sterns in der jüngsten Zeit wieder an Stärke gewonnen haben – und das, nachdem sie über Jahrzehnte immer schwächer geworden waren.

Der Polarstern Polaris A ist Teil eines Dreifachsystems, hier dargestellt mit dem näheren seiner kleinen Begleiter. Grafik: NASA, ESA, G. Bacon (STScI)

Dieses Schwächerwerden sei als sicheres Zeichen dafür gedeutet worden, dass der Brennstoff des Polarsterns stetig zur Neige gehe, erklärt Hans Bruntt von der Universität Sydney. “Umso verblüffender sind unsere neuen Resultate. In einem derart kurzen Zeitraum eine grundlegende Veränderung bei einem Stern zu beobachten, das hat schon Seltenheitswert.”

Der Polarstern liegt 430 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Kleinen Bären. Astronomen rechnen ihn zur Klasse der Cepheiden: Die Hülle des alternden Riesen bläht sich alle 4 Tage etwas auf und sackt wieder in sich zusammen. Bei diesem Pulsieren steigt und sinkt ihre Lichtdurchlässigkeit, sodass der Stern etwas heller und wieder dunkler wird. Doch während seine Helligkeit im Jahr 1900 noch um 12 Prozent schwankte, waren es beim Jahrtausendwechsel nur noch 3 Prozent.

Bruntt und Kollegen studierten das Verhalten des Polarsterns genauer, indem sie das kleine Hilfsteleskop eines defekten NASA-Satelliten über Wochen zehnmal pro Sekunde eine Helligkeitsmessung vornehmen ließen. Diese Daten und solche von weiteren Instrumenten zeigten, dass das Pulsieren im Zeitraum 2003-07 merklich an Stärke gewonnen hat: Derzeit schwankt die Helligkeit des Sterns wieder um etwa 4 Prozent.

Normalerweise seien Cepheiden sehr verlässliche Taktgeber, so die Forscher. Umso rätselhafter sei das Wiedererstarken der Helligkeitsschwankungen im Falle des Polarsterns, räumt Bruntts Kollege Dennis Stello ein: “Das Verhalten, das er neuerdings zeigt, ist für uns nicht ohne weiteres verständlich. Vielleicht sträubt er sich ja gegen das Älterwerden.”

Forschung: Hans Bruntt und Dennis Stello, School of Physics, University of Sydney; Nancy R. Evans, Smithsonian Astrophysical Observatory, Cambridge, Massachusetts; Alan J. Penny, School of Physics and Astronomy, University of St Andrews; und andere

Präsentation auf der Konferenz Cool Stars 15, St. Andrews, #M10; Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal; Preprint arXiv:0804.3593

WWW:
Hans Bruntt, University of Sydney
Astronomy Group, University of St Andrews
Polaris
Cepheiden
Wide Field Infrared Explorer (WIRE)

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Lichtecho verrät Sternentfernung
Begleiter des Polarsterns abgelichtet



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