Posted in: Sonnensystem 18. August 2008 20:24 Weiter lesen →

Besuch vom Rand des Sonnensystems

Bild zeigt bunte Punkte vor schwarzem Hintergrund, einer davon mit einem dicken weißen Pfeil markiert Einen ungewöhnlichen Pendler glauben amerikanische Astronomen erspäht zu haben. Das kaum 100 Kilometer große Objekt befindet sich auf einer stark elliptischen Bahn, deren äußerer Umkehrpunkt 240 Milliarden Kilometer tief im All liegt – gut 1.600 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Möglicherweise wurde es einst von einem jungen Planeten in die eisigen Randbezirke des Sonnensystems katapultiert.

2006 SQ372 zeichnet sich auf den Aufnahmen des Sloan Digital Sky Survey gerade eben ab, da er derzeit „nur“ etwa 3,2 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt ist. Bild: A. Becker and SDSS

Selbst der sonnennächste Punkt der Bahn des eisigen Felsbrockens liegt noch außerhalb der Bahn des Planeten Uranus, ermittelten Andrew Becker von der Washington University und seine Kollegen. „Im Grunde genommen handelt es sich um einen Komet“, so der Forscher. „Allerdings kommt er der Sonne niemals nahe genug, um einen langen, hellen Schweif aus verdunstendem Gas und Staub zu entwickeln.“

Becker und Kollegen fanden das Objekt mit Bezeichnung 2006 SQ372 in den Daten des Sloan Digital Sky Survey, einer großangelegten Durchmusterung des Nachthimmels. Eigentlich fahnden die Forscher in der immensen Datensammlung nach plötzlich aufleuchtenden Lichtpunkten am Firmament, wie sie Supernovae markieren. Mit Hilfe einer alternativen Suchstrategie stießen sie stattdessen auf einen Lichtpunkt, der seine Position am Himmel rasch veränderte und daher nur ein Objekt innerhalb des Sonnensystems darstellen konnte.

Auf Basis von Computersimulationen sei es denkbar, dass das Objekt im Kuipergürtel jenseits des Neptun entstanden und schließlich von einem der äußeren Planeten auf seine heutige Bahn geschleudert worden sei, erklärt Beckers Student Nathan Kaib. „Wir halten es jedoch für wahrscheinlicher, dass SQ372 vom inneren Rand der Oortschen Wolke kommt.“ Diese Wolke umgibt das Sonnensystem wie eine riesige Nussschale. Sie besteht aus Myriaden von Felsbrocken, die nahe der Sonne entstanden, dann aber von einem der auftrumpfenden Gasriesen in die Tiefen des Alls katapultiert wurden.

Einige dieser Objekte können durch die Schwerkraft vorüberziehender Sterns wiederum auf Kurs gen Sonne gebracht werden. Im Falle von 2006 SQ372 dürfte ein solcher Abstecher in das Sonnensystem und zurück etwa 22.500 Jahre dauern. Das einzige bekannte Objekt mit einer annähernd vergleichbaren Umlaufbahn ist die vor einigen Jahren entdeckte Sedna. Letztere benötigt allerdings nur etwa 11.000 Jahre für eine Rundreise.

Forschung: Andrew Becker, Nathan Kaib und Lynne Jones, Department of Astronomy, University of Washington, Seattle; Andrew Puckett, Department of Physics and Astronomy, University of Alaska Anchorage; und andere

Präsentation auf der Konferenz SDSS 2008 – From Asteroids to Cosmology, Chicago

WWW:
Astronomy Department, University of Washington
Bahndiagramm von 2006 SQ372
The Oort Cloud
SDSS

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Studierende finden Hunderte Asteroiden
Trans-Neptun-Objekt lässt Astronomen rätseln
Kein Eis auf Sedna


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