Posted in: Galaxien, Kosmos 25. August 2008 13:22 Weiter lesen →

Forscher finden größten Galaxienhaufen

Teleskopaufnahme zeigt einen bläulich glimmenden, runden Fleck vor schwarzem Hintergrund, darin und daneben einige bunte Punkte Eines der größten Objekte im Universum haben Potsdamer Forscher aufgespürt. Bei der systematischen Fahndung in archivierten Beobachtungsdaten stießen sie auf einen weit entfernten Galaxienhaufen, der in sich die Masse von rund 1 Billiarde Sonnen vereint.

Das Haufengas zwischen den Galaxien ist viele Millionen Grad Celsius heiß und sendet intensive Röntgenstrahlung aus. Bild: ESA XMM-Newton/EPIC, LBT/LBC, AIP (J. Kohnert)

Ungeachtet seines imposanten Kalibers sei der Galaxienhaufen so etwas wie die Nadel im Heuhaufen, erklärt Georg Lamer vom Astrophysikalischen Institut Potsdam. „Ausgehend von den aktuellen kosmologischen Theorien, sollte es in jenem 1 Prozent des Himmels, das wir durchsucht haben, lediglich diesen einen Haufen geben.“

Der massige Galaxienhaufen mit der Bezeichnung 2XMM J083026+524133 ist knapp 7,7 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Irdische Instrumente sehen ihn daher zu einer Zeit, als das Universum nicht einmal die Hälfte seines heutigen Alters erreicht hatte. Umso unauffälliger ist der Gigant im sichtbaren Licht. Das in ihm enthaltene, viele Hundert Millionen Grad Celsius heiße Gas sendet dagegen intensive Röntgenstrahlung aus.

Auf eben solche Röntgenquellen hatten es Lamer und Kollegen abgesehen, als sie ein Datenarchiv des europäischen Weltraumteleskops XMM-Newton durchsuchten. Unter den 192.000 registrierten Strahlungsquellen fanden sie rund 20.000, die nicht punktförmig, sondern flächig diffus erschienen. Darunter war auch eine extrem helle Röntgenquelle, für die sich zunächst kein optisches Pendant fand. Erst zusätzliche Beobachtungen mit dem kürzlich eingeweihten Large Binocular Telescope enthüllten an jenem Fleck des Himmels eine Vielzahl meist rötlich erscheinender Galaxien, berichtet die Gruppe demnächst im Fachblatt „Astronomy & Astrophyics“.

Die Forscher schätzen, dass 2XMM J083026+524133 gut Tausend Mal mehr Masse besitzt als die Milchstraße. „Derart massereiche Galaxienhaufen dürften im jungen Universum selten sein“, erklärt Lamer. Für die Wissenschaft seien sie besonders interessant, da sie als die größten, durch die Schwerkraft zusammengehaltenen Objekte Rückschlüsse über die Struktur des Kosmos zuließen. So spreche der jüngste Fund für die Annahme, dass die Expansion des Universums durch eine rätselhafte „Dunkle Energie“ beschleunigt werde.

Forschung: Georg Lamer, Matthias Hoeft, Jan Kohnert, Axel Schwope und Jesper Storm, Astrophysikalisches Institut Potsdam

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astronomy & Astrophysics; Preprint arXiv:0805.3817

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