Posted in: Sterne 25. August 2008 20:06 Weiter lesen →

Sterne am laufenden Band

Sterne können in ihrer Umgebung die Entstehung weiterer Sterne anstoßen. Für die Existenz eines solchen stellaren Dominoeffekts spricht eine neue Aufnahme des Weltraumteleskops Spitzer. Darauf zu sehen sind große Hohlräume, die von massereichen Sterne in eine immense Wolke gebrannt wurden und deren Ränder mit jüngeren Sternen gespickt sind.

Blick in einen der beiden Hohlräume. Rot markiert warmen Staub, Grün und Weiß das verdichtete Material, Blau die massereichen Sterne im Zentrum. Bild: NASA/JPL-Caltech/Harvard-Smithsonian CfA

Wahrscheinlich hätten der Teilchenwind und die Strahlung der massereichen Hitzköpfe das Material am Rand der Hohlräume regelrecht zusammengefegt und so die Entstehung weiterer Sterne ausgelöst, erklärt Xavier Koenig vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Der Forscher und seine Kollegen präsentieren ihre Schlussfolgerungen demnächst im „Astrophysical Journal“.

Die Astronomen analysierten eine Aufnahme, für die das Weltraumteleskop mehr als 24 Stunden lang in die Wolke W5 hatten starren lassen. Gut 6.500 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Kassiopeia gelegen, handelt es sich um eine ausgedehnte Ansammlung von Gas und Staub, die eine Brutstätte für massereiche Sterne darstellt.

Die neue Aufnahme zeigt einige solcher Hitzköpfe inmitten zweier großer, blasenförmiger Hohlräume in der Wolke. Nahe deren Rand finden sich weitere, etwas jüngere Sterne und noch weiter außen nochmals jüngere Sterne. Diese Abfolge könne kaum zufällig entstanden sein, sondern zeichne wahrscheinlich die fortschreitende Expansion der Hohlräume nach, argumentieren die Forscher.

„Unsere erste Betrachtung dieser Region lässt vermuten, dass wir es hier mit ein oder zwei Generationen von Sternen zu tun haben, deren Entstehung durch die massereichen Sterne angestoßen wurde“, erklärt Koenigs Kollegin Lori Allen. Das wahre Drama stehe der Region aber noch bevor: Wenn die massereichen und daher schnelllebigen Sterne in einigen Jahrmillionen als Supernovae explodierten, rissen sie wahrscheinlich einige ihrer „Kinder“ mit ins Verderben.

Forschung: Xavier Koenig und Lori E. Allen, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Chris Brunt, School of Physics, University of Exeter; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Dezember 2008, DOI 10.1086/592322

WWW:
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
Heart and Soul
Spitzer

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Blick in kosmischen Schlund


Posted in: Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.