Posted in: Galaxien 16. September 2008 13:46 Weiter lesen →

Buntes Treiben in der Milchstraße

In Violetttönen gehaltene Grafik zeigt eine scheibenförmige Wolke mit hellen Spiralen, hellem Zentrum, vor schwarzem Hintergrund In der Milchstraße geht es weniger geordnet zu als gemeinhin angenommen. Umfangreiche Simulationen einer internationalen Astronomengruppe lassen vermuten, dass sich die Sterne in einer Galaxie sogar recht häufig von deren Zentrum weg oder darauf zu bewegen können. Auf diese Weise werden auch schwere chemische Elemente, wie sie für die Entstehung von Leben nötig sind, sehr effektiv verteilt.

In der simulierten Gaswolke entsteht allmählich eine scheibenförmige Galaxie mit spiralförmigen Dichtewellen. Bild: Rok Roškar

Dieses Resultat spreche gegen die Vermutung, dass die Chancen für die Entstehung von Leben in einem festen Abstand vom Milchstraßenzentrum besonders günstig ständen, erklärt Rok Roškar von der University of Washington in Seattle. „Wenn die Sterne wandern, kann diese Zone nicht stationär sein.“

Roškar und Kollegen simulierten die Geburt und Entwicklung einer großen Galaxie, bestehend aus 100 Milliarden Sonnenmassen „normaler“ Materie in einer sehr viel größeren Wolke Dunkler Materie. Die Forscher verfolgten, wie sich aus der sichtbaren Materie allmählich eine flache Scheibe herausschälte, durch die im Laufe der Jahrmilliarden immer wieder spiralförmige Dichtewellen liefen.

Ähnlich wie ein Wellenreiter in der Brandung, wurden viele Sterne von der Schwerkraft dieser Dichtewellen erfasst und auf weiter außen bzw. innen liegende, jedoch weiterhin kreisförmige Bahnen verfrachtet, beobachteten die Forscher. In einem Gürtel, wie er der heutigen Nachbarschaft der Sonne in der Milchstraße entspricht, war letztlich jeder zweite Stern ein Zuwanderer – vornehmlich aus weiter innen liegenden, an schweren Elementen reichen Bezirken der galaktischen Scheibe.

Die Resultate beruhten auf einigen wenigen Simulationen einer idealisierten Galaxie, räumen die Forscher ein. Roškars Kollege James Wadsley von der McMaster University im kanadischen Hamilton ist jedoch überzeugt, dass sich ähnliche Prozesse auch in echten Galaxien abspielen. „Wenn man Sahne in Kaffee rührt, sieht der Wirbel jedes Mal etwas anders aus“, so der Astronom. „Der grundlegende Prozess und der resultierende Geschmack sind jedoch stets gleich.“

Forschung: Rok Roškar, Astronomy Department, University of Washington, Seattle; Victor P. Debattista, Centre for Astrophysics, University of Central Lancashire, Preston; James Wadsley, Department of Physics and Astronomy, McMaster University, Hamilton, Ontario; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 675, L65-L68, und Vol. 684, L79-L82; Preprint arXiv:0808.0206

WWW:
Astronomy Department, University of Washington
James Wadsley, McMaster University
Galaxien
The Milky Way Galaxy

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