Posted in: Sonnensystem 18. September 2008 20:00 Weiter lesen →

Kometen: Heißgeschmiedetes im Eishaus

Aufnahme eines Schliffs zeigt kugelrunde, blau-gräulich gefärbte Partikel zwischen unregelmäßig geformten Einschlüssen in einer schwarz erscheinenden Matrix Kometen enthalten nicht nur Material aus den eisigen Außenbezirken des Sonnensystems. Neue Belege für diese Ansicht präsentieren japanische und amerikanische Forscher im Magazin „Science“. In Staubpartikeln des Kometen Wild 2 fanden sie glasartige Mineralkörnchen, die nahe der Sonne entstanden sein müssen.

Die kugelrunden Chondrulen in den Partikeln von Wild 2 stammen wahrscheinlich aus dem Bereich des heutigen Asteroidengürtels. Foto: Noriko Kita, University of Wisconsin-Madison

Solche Chondrulen waren bislang vor allem aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter bekannt. Sie entstanden vermutlich, als Material im jungen Sonnensystem schlagartig erhitzt wurde und rasch wieder erstarrte. Derartige Prozesse hätten jenseits der Neptunbahn, der Geburtsstätte der Kometen, jedoch nicht ablaufen können, schreiben die Forscher um Tomoki Nakamura von der Kyushu-Universität.

Daher müsse man annehmen, dass die Schmelzkügelchen vor mehr als 4 Milliarden Jahren im Bereich des späteren Asteroidengürtels entstanden und erst dann in die Außenbezirke des Sonnensystems gelangt seien. Eine solche Bewegung stehe jedoch im Widerspruch zu den bisherigen Annahmen über den Rohstoff, aus dem schließlich die Planeten und anderen Begleiter der Sonne entstanden.

Nakamura und Kollegen untersuchten Partikel, die die Sonde Stardust im Jahr 2004 aus der Umgebung von Wild 2 gesammelt hatte. Der Komet war als Ziel der Mission ausgewählt worden, weil er erst 1974 durch eine enge Begegnung mit Jupiter auf eine Bahn durch das innere Sonnensystem gelenkt worden war. Daher sollte er noch relativ urtümliches Material aus der Frühzeit des Sonnensystems enthalten.

Die Forscher wählten vier Partikel aus, die sie als typisch für Kometenstaub einstuften. Die maximal 40 Mikrometer großen Partikel wurden zerschnitten, sorgfältig poliert und dann mit einem hauchfeinen Ionenstrahl abgetastet, um ihre chemische Zusammensetzung zu kartieren. Demnach entsprechen die Partikel nicht nur in Struktur und Art der enthaltenen Mineralien typischen Chondrulen, berichtet die Gruppe. Auch die Anteile unterschiedlich schwerer Sauerstoffisotope wiesen auf eine Entstehung nahe der Sonne hin.

Forschung: Tomoki Nakamura, Department of Earth and Planetary Science, Kyushu University, Fukuoka; Noriko T. Kita und John W. Valley, Department of Geology and Geophysics, University of Wisconsin, Madison; Tsukasa Nakano, Geological Survey of Japan, Tsukuba; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 321, 19. September 2008, pp 1664-7, DOI 10.1126/science.1160995

WWW:
Earth and Planetary Science, Kyushu University
Wisconsin Secondary Ion Mass Spectrometer Laboratory
The Comet Primer
Flash Heating
Stardust

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Komet ohne Kruste
Feurige Spuren in Kometen


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