Naphthalin zwischen den Sternen
29. September 2008 15:24 Drucken
Auch unter den lebensfeindlichen Bedingungen im All können typische organische Moleküle entstehen. Diese Tatsache unterstreichen Beobachtungen europäischer und amerikanischer Astronomen. Unter Einsatz mehrerer Teleskope konnten sie erstmals den optischen Fingerabdruck des Kohlenwasserstoffs Naphthalin im Raum zwischen den Sternen nachweisen.
Bild: Gabriel Pérez, Multimedia Service/IAC (Sources: Miguel Briganti (IAC), Digital Sky Survey, David Barrado)
Naphthalin ist der einfachste polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff. Sein molekulares Gerüst wird von 10 Kohlenstoffatomen gebildet, die untereinander zu zwei Ringen verknüpft sind. Auf der Erde entsteht es überall dort, wo Biomasse verbrennt oder unter Hitze umgesetzt wird - beispielsweise in Zigarettenrauch und Teer.
Susana Iglesias Groth vom Astrophysikalischen Institut der Kanaren und ihre Kollegen fanden das Naphthalin dagegen in einer großen Molekülwolke, gut 700 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Perseus gelegen. Bei ihren Beobachtungen dieses Sternentstehungsgebiets mit Teleskopen auf La Palma und in Texas fiel ihnen mehrere ausgeprägte Banden im tiefroten Teil des Lichtspektrums auf.
Der Abgleich mit Labordaten ergab, dass dieser spektrale Fingerabdruck sehr wahrscheinlich auf Naphthalin-Moleküle zurückgeht, aus denen ein Elektron herausgeschlagen worden ist und die daher elektrisch positiv geladen sind. Gemessen an der Intensität der Banden, dürfte das Material in der beobachteten Region mit einer kräftigen Prise Naphthalin “gewürzt” sein.
Daher sei es durchaus denkbar, dass auch der Grundstoff für die Entstehung der Sonne und ihrer Planeten Naphthalin enthalten habe, so Iglesias Groth und ihre Kollegen. Dieser Umstand sei umso interessanter, als Naphthalin unter Einwirkung ultravioletter Strahlung mit Wasser und Ammoniak zu einer breiten Palette von Aminosäuren und anderen organischen Verbindungen reagieren könne. Nach solchen Molekülen wollen die Forscher im Rahmen weiterer Beobachtungen fahnden.
Forschung: Susana Iglesias Groth, Arturo Manchado und D. Aníbal García Hernández, Instituto de Astrofisica de Canarias, La Laguna; Jonay I. González Hernández, Observatoire de Paris, Meudon; David L. Lambert, W.J. McDonald Observatory, University of Texas, Austin
Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 685(1), L55-L58; Preprint arXiv:0809.0778
WWW:
Instituto de Astrofísica de Canarias
Naphthalin
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