Jupiter klar wie nie
2. Oktober 2008 17:08 Drucken
Der bislang längste und klarste Blick auf den Jupiter ist amerikanischen und europäischen Astronomen gelungen. Die “Sehschärfe” ihres Teleskops laufend an atmosphärische Schlieren anpassend, konnten sie den Riesenplaneten insgesamt zwei Stunden lang beobachten. Die so erhaltenen Bilder zeigen unter anderem, dass sich der große Dunstgürtel des Jupiter in der jüngsten Zeit um 6.000 Kilometer gen Süden verlagert hat.
Bei drei Infrarotwellenlängen (2,0, 2,14 und 2,16 Mikrometer) beobachtet, bietet der Jupiter einen ungewöhnlichen Anblick. Die hellen Bänder markieren in großen Höhen gelegenen Dunst, der einfallendes Licht reflektiert, bevor es von Wasserstoff und Methan in etwas tieferen Atmosphärenschichten geschluckt werden kann. Bild: ESO/F. Marchis, M. Wong, E. Marchetti, P. Amico, S. Tordo
Diese Veränderung könnte mit dem “planetarischen Aufruhr” in Verbindung stehen, den man jüngst verfolgt habe, erklärt Michael Wong von der University of California in Berkeley. Im Rahmen dieser Veränderungen hatte die Turbulenz in der Jupiteratmosphäre zugenommen, zudem waren Wirbelstürme neu aufgetaucht, von anderen Stürmen verschluckt worden oder hatten ihre Farbe verändert. “Wir müssen uns aber noch mehr Daten ansehen, um den Zeitpunkt dieser Veränderungen genauer bestimmen zu können”, so der Forscher.
Wong und Kollegen führten ihre Beobachtungen mit einem der 8,2-Meter-Teleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile durch. An dem Teleskop war ein System installiert worden, das laufend zwei “Leitsterne” im Blick behält und anhand von deren Funkeln atmosphärische Turbulenzen erkennt. Daraufhin verformt es automatisch zwei kleinere Spiegel im Strahlengang des Teleskops, um diese Turbulenzen auszugleichen, und ermöglicht so besonders scharfe Aufnahmen.
Bei den Jupiterbeobachtungen im August 2008 fungierten die Monde Europa und Io als Leitsterne. Von der Erde aus gesehen, standen sie damals links und rechts des Jupiter und erlaubten so eine Schlierenkorrektur über die gesamte Scheibe des Planeten. Auf den Infrarotaufnahmen sind daher Details von 300 Kilometern Größe erkennbar. Sie zeigen unter anderem, dass der 16.000 Kilometer weite Dunstschleier über dem Äquator seit den letzten Beobachtungen heller geworden ist und merklich nach Süden gewandert ist.
Forschung: Franck Marchis und Michael Wong, Astronomy Department, University of California, Berkeley, und SETI Institute, Mountain View, Kalifornien; Enrico Marchetti, Paola Amico und Sebastien Tordo, European Southern Observatory, Garching und Santiago de Chile
WWW:
Mike Wong’s Astroblog, UC Berkeley
European Southern Observatory
- Multi-Conjugate Adaptive Optics Demonstrator (MAD)
Jupiter
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