Posted in: Sonnensystem 6. Oktober 2008 14:10 Weiter lesen →

Weniger Verkehr jenseits des Neptun

Illustration zeigt, wie sich ein eisiger Felsbrocken vor einen Hintergrundstern schiebt und ihn dabei verdunkelt In den äußeren Bezirken des Sonnensystems gibt es weniger Brocken aus Fels und Eis als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommen taiwanische und amerikanische Astronomen nach zwei Jahren regelmäßiger Beobachtungen. Dabei gelang es ihnen nicht, den Schattenwurf eines der gesuchten Objekte zu erspähen.

Grafik: Courtesy National Central University

Vielleicht hätten sich diese Objekte – eisige Gesteinsbrocken mit Durchmessern von höchstens 28 Kilometern, die von der Erde aus nicht direkt erkennbar sind – bei relativ sanften Begegnungen zu größeren vereint, folgert die Gruppe um Zhi-Wei Zhang von der National Central University in Jhongli und Federica Bianco vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Möglicherweise seien sie aber auch bei härteren Kollisionen zerstoben.

Solche energiereichen Kollisionen wurden im Kuipergürtel jenseits des Neptun relativ häufig, als die großen Gasplaneten auswärts wanderten und mit ihrer Schwerkraft kleinere Objekte durch das Sonnensystem schleuderten. Die neuen Resultate könnten daher helfen, mehr über diese Phase des Planetensystems in Erfahrung zu bringen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Zhang, Bianco und Kollegen hatten drei Teleskope in Taiwan genutzt, um alle Viertel- bzw. Fünftelsekunde die Helligkeit einzelner Sterne zu messen. Kurzfristige Verdunkelungen von weniger als 1 Sekunde Dauer sollten die Bewegung eines Kuipergürtel-Objekts durch die Sichtlinie zwischen Erde und Stern signalisieren, so die Überlegung der Astronomen. Die statistische Analyse der gesammelten Daten ergab jedoch, das in mehr als 200 Stunden reiner Beobachtungszeit keine solche Bedeckung erfasst worden war.

Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu den Resultaten einer früheren Studie, die im Nachhinein allerdings von den Autoren selbst angezweifelt worden waren. Eine Fahndung mit dem Weltraumteleskop Hubble hatte dagegen ebenfalls vermuten lassen, dass die Zahl kleinerer Objekte im Kuipergürtel um den Faktor 25 überschätzt worden war. Diese Schätzungen beruhten auf der Entdeckung einiger Objekte mit mehreren Hundert bis Tausend Kilometern Durchmesser, die genügend Sonnenlicht reflektieren, um von der Erde aus gesichtet zu werden.

Forschung: Kiwi (Zhi-Wei) Zhang, Institute of Astronomy, National Central University, Jhongli; Federica B. Bianco und Matthew J. Lehner, Department of Physics and Astronomy, University of Pennsylvania, Philadelphia, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts, und Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica, Taipei; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 685, L157-L160, DOI 10.1086/592741; Preprint arXiv:0808.2051

WWW:
Taiwanese-American Occultation Survey
Kuiper Belt

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