Marsmond per Funk gewogen
Donnerstag, 16. Oktober 2008, 12:50 • Rubrik Planeten, Sonnensystem.
Der Marsmond Phobos ist noch etwas “luftiger” als bislang angenommen. Anhand des Schwerkraftzuges, den der Mond auf die Sonde Mars Express ausübt, haben deutsche Forscher seine Masse zu 10,72 Billionen Tonnen bestimmen können. Die Dichte von Phobos liegt demnach kaum 90 Prozent über der von Wasser und deutlich unter der von typischem Marsgestein. Dieses Resultat steht im Einklang mit der Vermutung, dass es sich bei dem Mond um einen porösen, nachträglich eingefangenen Asteroiden handelt.
Phobos’ “Markenzeichen” ist der große Krater Stickney, benannt nach der Gattin des Entdeckers der Marsmonde. Bild: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)
Der aktuelle Wert sei 10- bis 100-mal genauer als frühere Bestimmungen, so die Forscher um Martin Pätzold von der Universität Köln. Ihre Analyse fußt auf Funksignalen, die von Mars Express abgestrahlt wurden. Anhand der genauen Laufzeit der Signale zur Erde lassen sich selbst minimale Beschleunigungen der Sonde erkennen.
Mars Express kreist auf einer elliptischen Umlaufbahn um den Mars, die in geringer Entfernung über den Nordpol und in großer Entfernung über den Südpol des Planeten führt. Anders als ihre Pendants auf kreisrunden Bahnen, kann sich die Sonde daher auch dem inneren Marsmond Phobos nähern. Im Zeitraum vom 23. Juli bis 10. Oktober dieses Jahres fanden gleich 9 solcher Vorbeiflüge statt, im Extremfall in einer Entfernung von lediglich 93 Kilometern.
Bei den Vorbeiflügen bot sich auch den hochauflösenden Kameras an Bord von Mars Express reichlich Gelegenheit, den knollenförmigen Mond genauer zu studieren. Anhand dieser Daten haben Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die bisherigen Phobos-Modelle verfeinert und geben nun ein Volumen von 5.680 Kubikkilometern für den größeren der beiden Marsmonde an. Zudem haben sie eine völlig neue Karte von Phobos erstellt, anhand derer unter anderem eine Landestelle für die russische Sonde Phobos-Grunt gefunden werden soll. Weitere Vorbeiflüge sind geplant.
Forschung: Martin Pätzold, Rheinisches Institut für Umweltforschung an der Universität zu Köln; Ralf Jaumann, Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; und andere
WWW:
Institut für Planetenforschung, DLR
- Mars Express
Radio Science, Rheinisches Institut für Umweltforschung
Phobos
Phobos-Grunt
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mars Express filmt Phobos’ Schatten
Marsrover beobachtet Mondfinsternis
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