Posted in: Mond, Raumfahrt 23. Oktober 2008 20:00 Weiter lesen →

Mondkrater ohne Eis-Einlage

Blick auf die Kraterlandschaft des Mondes, am Horizont gleißend hell der Rand der Sonnenkorona, am oberen Bildrand ein heller Punkt Sollte es auf dem Mond Wasser geben, steht dieses nicht ohne weiteres für menschliche Kolonisten zur Verfügung. Die Aufnahmen einer japanischen Sonde zeigen, dass es nicht einmal in einem tiefen Krater, dessen Boden permanent im Schatten liegt, helle Eisflächen gibt. Eventuell vorhandenes Wassereis kann daher bestenfalls wenige Prozent des Untergrundes ausmachen.

Sonnenaufgang über dem bereits von der Erde erhellten Mond, aufgenommen von der Sonde Clementine. Am oberen Bildrand der „Morgenstern“ Venus. Bild: NASA/JPL/USGS

Ebenfalls denkbar sei, dass das Eis unter von einer Schicht Mondstaub liege, schreiben die Forscher um Junichi Haruyama von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA im Magazin „Science“. Ihrer Schätzung zufolge, dürfte die Temperatur des Kraterbodens höchstens minus 185 Grad Celsius betragen, sodass sich Wassereis dort über Jahrmilliarden halten könnte.

Die Hoffnung auf lunare Wasservorräte war zuletzt durch die amerikanische Sonde Lunar Prospector genährt worden. Deren Neutronen-Messungen hatten Ende der 90er-Jahre ergeben, dass es in den Polarregionen des Erdtrabanten reichlich Wasserstoff gibt, wie er etwa in Form von Wassereis vorliegen könnte. Als mögliche Lagerstätten gelten tiefe Krater, von deren Boden aus niemals die Sonne zu sehen ist. Die bislang durchgeführten Radarabtastungen konnten diese Annahme allerdings nicht stützen.

Haruyama und Kollegen werteten nun Stereobilder des Kraters Shackleton aus, die die japanische Sonde Selene im November und im Dezember 2007 aufgenommen hatte. Der gut 21 Kilometer weite Krater liegt direkt am Südpol des Mondes, sodass die Sonne bestenfalls 3 Grad über seinen Rand steigt. Bei solchen Gelegenheiten reflektiert der innere Kraterhang so viel Sonnenlicht, dass selbst der Kraterboden für die Terrainkamera an Bord der Sonde sichtbar wird.

Diese Bilder und ein entsprechendes Geländemodell zeigen, dass der trichterförmige Krater 4,2 Kilometer tief ist. An seinem 6,6 Kilometer weiten Grund finden sich die Überreste zweier vermutlicher Hangrutsche sowie ein sanfter Hügel. Das Reflexionsvermögen des Bodens ist jedoch an keiner Stelle merklich höher als in der Umgebung des Kraters, fanden die Forscher. Sie schätzen daher, dass der Boden höchstens 2 Gewichtsprozent Wassereis enthalten kann. Allerdings können sie auch nicht ausschließen, dass die an den Mondpolen nachgewiesenen Wasserstoffkerne aus dem Sonnenwind stammen.

Forschung: Junichi Haruyama, Institute of Space and Astronautical Science, Japan Aerospace Exploration Agency, Kanagawa; Tsuneo Matsunaga, Center for Global Environmental Research, National Institute for Environmental Studies, Ibaraki; Jean-Luc Josset, Space Exploration Institute, Neuchâtel; und andere

Online-Veröffentlichung Science Express, DOI 10.1126/science1164020

WWW:
Japan Aerospace Exploration Agency
Selene (Kaguya)
Ice on the Moon
The Moon

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