Posted in: Mond, Sonnensystem 6. November 2008 20:00 Weiter lesen →

Späte lunare Unrast

Foto zeigt relativ glatte Ebene, übersät mit unterschiedlich großen Kratern, deren eine Hälfte im Schatten liegt, während die andere gleißend hell erleuchtet ist Nach seiner gewaltsamen Entstehung kam der Mond langsamer zur Ruhe als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Japan, den USA und der Schweiz nach einer großangelegten Kraterzählung auf der „dunklen“ Seite des Erdtrabanten. Dort dürften noch vor 2,5 Milliarden Jahren größere Flächen von Lava überflutet worden sein.

Bei tiefstehender Sonne zeichnen sich dank des ausgeprägten Schattenwurfs auch kleine Krater deutlich ab. Größenmaßstab: 2 Kilometer. Bild: Copyright Science/AAAS

Bisher sei man davon ausgegangen, dass es auf der erdabgewandten Seite seit etwa 3 Milliarden Jahren keinen Vulkanismus im großen Maßstab gegeben habe, erläutern die Forscher um Junichi Haruyama von der Japanischen Raumfahrtagentur JAXA im Magazin „Science“. Deutlich sichtbares Resultat solcher Ausbrüche sind aus dunklem Basalt bestehende Maria („Meere“), wie sie auf der erdzugewandten Seite das berühmte Mondgesicht bilden.

Für ihre Studie wertete die Gruppe Stereoaufnahmen der Sonde Selene aus, die seit Oktober 2007 um den Mond kreist. Bis heute hat die Terrainkamera an Bord der Sonde den Großteil der erdabgewandten Mondseite bei flachen Sonnenständen abgelichtet. Dank des ausgeprägten Schattenwurfs unter diesen Beleuchtungsbedingungen sind auf diesen Bildern selbst kleine Krater gut erkennbar. Anhand ihrer Häufigkeit lässt sich wiederum schätzen, wann ein Gebiet zuletzt durch Lava geglättet worden ist.

Die Basaltschichten im Aitken-Becken am Südpol des Mondes und im Mare Moscoviense (Moskau-Meer) sind demnach bis zu 0,5 Milliarden Jahre jünger als vermutet, ermittelten die Forscher. In Teilen dieser Gebiete sind allerdings weniger kleine Krater mit Durchmessern von höchstens 1 Kilometer zu finden, als man aufgrund der Zahl großer Krater erwarten sollte. Haruyama und Kollegen vermuten, dass sich hier relativ geringe Lavamengen über eine bereits bestehende Basaltoberfläche ergossen und lediglich kleine, flache Krater vollständig überfluten konnten.

Forschung: Junichi Haruyama und Makiko Ohtake, Institute of Space and Astronautical Studies, Japan Aerospace Exploration Agency, Kanagawa; Jean-Luc Josset, Space Exploration Institute, Neuchâtel; und andere

Online-Veröffentlichung Science, 6. November 2008, DOI 10.1126/science.1163382

WWW:
Japan Aerospace Exploration Agency
Selene (Kaguya)
Space Exploration Institute, Neuchâtel
The Moon
Mondgesicht

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