Erstes Mehrfachsystem abgelichtet
Donnerstag, 13. November 2008, 20:00 • Rubrik Exoplaneten.
Nicht nur die Sonne, auch viele andere Sterne werden von mehreren Planeten umkreist. Die ersten Aufnahmen eines solchen Mehrfachsystems sind einer internationalen Astronomengruppe geglückt. Darauf zu sehen sind gleich drei große Planeten, die in gebührendem Abstand um eine junge, heiße Sonne ziehen.
Nach Ausblenden und Herausrechnen des gleißenden Sternenlichts werden die drei Planeten erkennbar. Bild: Courtesy National Research Council Canada
Gemessen an der Größe des Zentralgestirns, seien die drei Planeten in etwa mit Saturn, Uranus und Neptun im heimischen Sonnensystem vergleichbar, schreiben die Forscher um Christian Marois vom Herzberg Institute for Astrophysics im kanadischen Victoria im Magazin “Science”. Die Ähnlichkeit mit den hiesigen Verhältnis werde noch bekräftigt durch einen dichten Gürtel aus kaltem Staub, der sich jenseits des äußersten Planeten erstrecke.
Marois und Kollegen gelangen die Aufnahmen mit den großen Keck- und Gemini-Teleskopen auf Hawaii. Bei ihrer Fahndung konzentrierten sie sich auf junge Sonnen, deren Planeten nach ihrer hitzigen Entstehung noch glimmen und sich daher relativ gut anhand ihrer Infrarotstrahlung erkennen lassen. Fündig wurden die Forscher bei HR 8799, gut 128 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Pegasus gelegen und mit einem Alter von schätzungsweise 60 Millionen Jahren ein echter Jungspund.
Bereits im Oktober 2007 gelang es den Forschern, zwei der drei Exoplaneten abzulichten. Diese beiden Welten ließen sich nachträglich auch in Aufnahmen aus dem Jahr 2004 nachweisen. Bei weiteren Beobachtungen im Jahr 2008 wurde dann auch der dritte Planet erspäht. Von der Erde aus scheint man fast genau auf den Nordpol des fernen Systems zu schauen, sodass die beobachteten Abstände von 24, 38 und 68 Erdbahnradien den tatsächlichen entsprechen dürften.
Nach Ansicht der Forscher belegen ihre Daten zweifelsfrei, dass die drei Objekte durch die Schwerkraft des Sterns gebunden sind und diesen umkreisen – gegen den Uhrzeigersinn, von der Erde aus betrachtet. Mit höchstens 10 Jupitermassen seien zudem alle drei Begleiter zu den Planeten zu rechnen, so Marois und Kollegen. Bei früheren direkten Nachweisen stehe der Beleg für eine mehr als zufällige Nähe am Himmel noch aus oder aber einer der abgelichteten Partner sei ein Beinahe-Stern, ein Brauner Zwerg.
Forschung: Christian Marois und Bruce Macintosh, Herzberg Institute of Astrophysics, National Research Council Canada, Victoria, British Columbia, Lawrence Livermore National Laboratory, Livermore, Kalifornien, und Astronomy Department, University of California, Berkeley; und andere
Online-Veröffentlichung Science, 13. November 2008, DOI 10.1126/science.1166585
WWW:
Herzberg Institute of Astrophysics
Extrasolar Planets Encyclopaedia
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