Posted in: Galaxien 27. November 2008 18:09 Weiter lesen →

Astronomen enträtseln leuchtendes Etwas

Hannys Voorwerp als grünlich leuchtendes, gespenstartiges Gebilde; einmal in Vergrößerung, einmal im Kontext der benachbarten, gleißend hellen Galaxie und rötlicher Wasserstoffwolken Erst kürzlich hatte eine niederländische Lehrerin ein grünlich glimmendes Etwas in der Tiefe des Alls entdeckt. Was es damit auf sich hat, glaubt eine internationale Astronomengruppe nun erklären zu können. Bei „Hannys Voorwerp“ handelt es sich demnach um einen immensen Gasfetzen, der durch eine Art Lichtschacht in einer nahe gelegenen Galaxien angestrahlt wird.

„Hannys Voorwerp“ (rechts vergrößert) scheint nur ein kleiner Teil eines langen Gasstroms zu sein, zum Leuchten angeregt durch einen Strom hochenergetischer Teilchen (weiße Konturen markieren die Radiostrahlung) aus der benachbarten Galaxie. Bilder: ASTRON (links) / Dan Herbert, Isaac Newton Telescope

Die Wolke dürfte das Produkt eines kosmischen Tauziehens sein, erklärt Tom Oosterloo vom Niederländischen Radioastronomischen Institut ASTRON. „Wir sehen hier alle Merkmale eines interagierenden Systems.“ Offenbar habe die nahe gelegene Galaxie mit der Bezeichnung IC 2497 vor einigen Hundert Millionen Jahren eine enge Begegnung mit einer oder mehreren anderen Galaxien gehabt. Die dabei wirkenden Gezeitenkräfte hätten eine ganze Kette von Gasfetzen aus den Galaxien herausgerissen, von denen aber lediglich dieser eine leuchte.

Hanny van Arkel hatte das unregelmäßig geformte Gebilde im Jahr 2007 entdeckt, als sie an einem Internet-Projekt zur Klassifizierung von Galaxien teilnahm. Fortan als Hanny’s Voorwerp („Hannys Objekt“) bezeichnet, enthält die Wolke Gas mit einer Temperatur von mehr als 15.000 Grad Celsius. Woher die nötige Energie kommt, war rätselhaft. So finden sich in dem Objekt keine Sterne, die es von innen heraus aufheizen könnten. Auch die Galaxie IC 2497 scheint nicht genügend Strahlung abzugeben.

Oosterloo und Kollegen nahmen Hannys Voorwerp nun mit dem Westerbork-Synthese-Radioteleskop und anderen Instrumenten genauer unter die Lupe. Zu ihrer Verblüffung fanden sie einen Strahl hochenergetischer Teilchen, der vom Zentrum der nahe gelegenen Galaxie IC 2497 ausgeht und auf die leuchtenden Gasmassen gerichtet ist.

Wahrscheinlich entspringe der Teilchenstrom bei dem Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxie und habe sich im Laufe der Zeit durch einen dichten Schleier interstellaren Materials gebrannt, erklärt ASTRON-Direktor Mike Garrett. „Durch den so geschaffenen Kanal kann intensive optische und ultraviolette Strahlung aus dem Umfeld des Schwarzen Lochs einen Teil einer großen Gaswolke […] zum Leuchten anregen.“

Die Beobachtungen der Forscher lassen vermuten, dass Hannys Voorwerp nur ein Teil eines Gasstroms mit einer Masse von einigen Milliarden Sonnen ist. Der Strom erstreckt sich über eine Länge von mehr als 300.000 Lichtjahren und weist in Richtung einer Gruppe von Galaxien. Nach Ansicht Oosterloos und seiner Kollegen dürften hier die übrigen Beteiligten an dem kosmischen Tauziehen zu suchen sein.

Forschung: Tom Oosterloo, Gyula Józsa und Mike Garrett, ASTRON – Nederlands instituut voor radioastronomie, Dwingeloo; und andere

WWW:
ASTRON
Westerbork Synthesis Radio Telescope
What is Hanny’s Voorwerp?
Galaxy Zoo
Colliding Galaxies

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Galaktische Kontaktaufnahme


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