Posted in: Exoplaneten 4. Dezember 2008 14:02 Weiter lesen →

Studierende finden neuen Exoplaneten

Grafik zeigt Stern als gelbe, gleichsam brodelnde Kugel, und daneben den Planeten als Kugel mit dunkel- und hellgrauen Wolkenbändern Einen ungewöhnlichen Planeten außerhalb des Sonnensystems haben drei niederländische Studierende entdeckt. Mit Hilfe einer eigens ersonnenen Analysemethode spürten sie einen großen Exoplaneten auf, der in äußerst geringem Abstand um einen sehr heißen und rasch rotierenden Stern rast.

So könnte sich das neu entdeckte Gespann einem Beobachter präsentieren. Bild: ESO/H. Zodet

„Eigentlich sollten die Studierenden im Rahmen des Projekts nur lernen, wie man Suchalgorithmen entwickelt“, erklärt Ignas Snellen von der Sternwarte Leiden, der Leiter des Teams. „Allerdings haben sie ihre Sache so gut gemacht, dass noch Zeit blieb, ihren Algorithmus an einer bislang kaum erkundeten Datensammlung zu testen.“ Die Resultate hätten ihn mehr als verblüfft, so der Astronom.

Die Spur des neuen Exoplaneten fand sich in den Daten eines automatischen Beobachtungsprogramms, in dessen Verlauf immer wieder die Helligkeit von Tausenden Sternen gemessen wird. Regelmäßige Helligkeitsschwankungen liefern Hinweise auf einen Planeten, der auf seiner Bahn durch die Sichtlinie zwischen seinem Gestirn und der Erde zieht. Eben solche Schwankungen entdeckte das von Meta de Hoon, Francis Vuijsje und Remco van der Burg erstellte Programm: Ein Stern mit dem wenig prosaischen Namen OGLE2-TR-L9 erfährt demnach alle 2,5 Tage eine leichte Sternfinsternis.

Foto zeigt zwei junge Frauen und einen jungen Mann, Beobachtungsdaten auf einem Laptop präsentierend

Francis Vuijsje, Meta de Hoon und Remco van der Burg. Foto: Leiden Observatory

Gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und Südafrika nahmen die Jungforscher diesen Stern genauer unter die Lupe. Die Beobachtungen mit zwei Teleskopen der Europäischen Südsternwarte in Chile ergaben, dass die Verfinsterungen auf einen Planeten mit der 4,5-fachen Masse und dem 1,6-fachen Radius des Jupiter zurückgehen. Der Riese kreist in einer Entfernung von weniger als 5 Millionen Kilometern um einen Stern, dessen Oberflächentemperatur fast 7.000 Grad Celsius beträgt. Zum Vergleich: Die Erde hält einen mittleren Abstand von 150 Millionen Kilometern von der rund 5.800 Grad heißen Sonnenoberfläche.

„Es ist sehr aufregend, nicht nur einen Planeten zu finden, sondern darüber hinaus einen derart ungewöhnlichen“, erklärt Meta de Hoon. „Letztlich zeigte sich, dass es der erste Planet eines rasch rotierenden Sterns ist und dass dieser Stern auch noch der heißeste bekannte Stern mit Planeten ist.“

Forschung: Ignas A.G. Snellen, Meta D.J. de Hoon, Remco F.J. van der Burg und Francis N. Vuijsje, Sterrewacht Leiden; Johannes Koppenhöfer, Universitäts-Sternwarte München und Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astronomy & Astrophysics; Preprint arXiv:0812.0599

WWW:
Leiden Observatory
Extrasolar Planets Encyclopaedia
OGLE – Optical Gravitational Lensing Experiment

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Studierende finden Hunderte Asteroiden


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