Posted in: Galaxien 10. Dezember 2008 00:01 Weiter lesen →

Neues vom schwarzen Herz der Milchstraße

Falschfarbenbild zeigt Infrarotblick auf das Zentrum der Milchstraße mit vielen dunkelrot, bläulich bis weißlich schimmernden Sternen Im Zentrum der Milchstraße verbirgt sich hinter dichten Staubschleiern ein gewaltiges Schwarzes Loch. Diese Ansicht bestätigen die Resultate einer Langzeitstudie, die Garchinger Astrophysiker gemeinsam mit Kollegen aus Israel und Frankreich durchgeführt haben. Über einen Zeitraum von 16 Jahren verfolgten sie, wie eine Reihe von Sternen um eine enorme Massenkonzentration im Sternbild Schütze kreist.

Bild: ESO/S. Gillessen et al.

Die Beobachtungen „liefern die bislang besten Belege für die Existenz supermassereicher Schwarzer Löcher“, erklärt Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Gut 27.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, besitze das Exemplar im Milchstraßenzentrum gut vier Millionen Sonnenmassen und sei ideal geeignet, um Vorgänge in einer extremen Umgebung zu studieren.

Bereits im Jahr 1992 hatte die Gruppe um Reinhard Genzel begonnen, regelmäßig einige Sterne in der Nähe von Sagittarius A* zu beobachten, einer starken Radioquelle im Zentrum der Milchstraße. Nach zehn Jahren regelmäßiger Positionsbestimmungen hatten die Forscher schließen können, dass sich dort eine Masse von einigen Millionen Sonnen in einem Gebiet von zehn Lichttagen Durchmesser ballt. Dieses Resultat bekräftigte die Vermutung, die Radiostrahlung stamme aus dem Materiestrudel um ein Schwarzes Loch.

Seitdem konnten die Forscher weitere Infrarot-Beobachtungen mit den europäischen Großteleskopen in Chile anstellen und sehr präzise Daten über insgesamt 28 Sterne gewinnen. Diese ließen sich in zwei Gruppen einteilen, so Gillessen weiter. „Jene im innersten Bereich der Region besitzen zufällig orientierte Umlaufbahnen, ähnlich einem Bienenschwarm. Etwas weiter außen ziehen sechs der 28 Sterne dagegen in einer Scheibe um das Schwarze Loch.“

Rätselhaft ist immer noch die Herkunft der beobachteten Sterne. Nach Ansicht der Forscher sind sie zu jung, um in größerer Entfernung von dem Gebiet entstanden und nachträglich dorthin gelangt zu sein. Allerdings scheint es noch weniger plausibel, dass sie in dem starken Schwerkraftgefälle in der Nähe des Schwarzen Lochs entstanden sind.

Forschung: Stefan Gillessen, Frank Eisenhauer, Sascha Trippe, Reinhard Genzel und Thomas Ott, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching; Tal Alexander, Weizmann Institute of Science, Rehovot; Fabrice Martins, Groupe de Recherche en Astronomie et Astrophysique de Languedoc, CNRS-Université de Montpellier

Veröffentlichung Astrophysical Journal; Preprint arXiv:0810.4674

WWW:
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Galactic Center Research
Die Milchstraße
European Southern Observatory

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Lichtecho aus dem Herz der Milchstraße
Extreme Materiedichte im Milchstraßenzentrum


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