Posted in: Galaxien, Sterne 5. Januar 2009 18:15 Weiter lesen →

Sternentstehung am Abgrund

Grafik zeigt Blick auf die Scheibe der Milchstraße samt hellen Spiralarmen und kurzem Balken im ZentrumSterne können selbst unter extremen Bedingungen entstehen. Für diese Ansicht sprechen neue Beobachtungsergebnisse amerikanischer und deutscher Astronomen. Im Zentrum der Milchstraße, in unmittelbarer Nähe eines extrem massereichen Schwarzen Lochs, fanden sie zwei Objekte, bei denen es sich wahrscheinlich um neugeborene Sterne handelt.

Grafik: NASA/JPL-Caltech

Die stellaren Säuglinge sind nur wenige Lichtjahre von einem Schwarzen Loch von rund vier Millionen Sonnenmassen entfernt, berichten Elizabeth Humphreys vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics auf einer Fachtagung im kalifornischen Long Beach. Offenbar könnten Gaswolken in einer derartigen Umgebung mit ihrem starken Schwerkraftgefälle überdauern und sich sogar zu Sternen verdichten.

Humphreys, ihr Institutskollege Mark Reid und Karl Menten vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie nutzten für ihre Beobachtungen die Radioteleskope des Very Large Array im US-Bundesstaat New Mexico. Mit Hilfe dieses hochauflösenden Instruments erspähten sie zwei Objekte, die im Extremfall nur 6,5 bzw. 12 Lichtjahre von dem Schwarzen Loch entfernt sind und intensive Radiostrahlung aussenden. Die Strahlung stammt von energetisch angeregten Wassermolekülen, wie sie in der dichten Gashülle um junge Sterne reichlich vorhanden sind.

Zwar kann solche Maserstrahlung auch von alten, regelrecht aufgeblähten Sternen ausgehen. Nach Abgleich mit Daten einer früheren Beobachtungskampagne glaubt das Forschertrio jedoch ausschließen zu können, dass es sich bei den neu entdeckten Objekten um Rote Riesen handelt.

Schon vor zehn Jahren war das erste junge stellare Objekt in der Nähe des Schwarzen Lochs im Milchstraßenzentrum entdeckt worden. Die neuen Beobachtungsdaten bestätigten die Vermutung, dass Sterne an Ort und Stelle entstehen könnten, so Humphreys und ihre Kollegen. Ähnliche Resultate hatten jüngst durchgeführte Computersimulationen geliefert.

Forschung: Elizabeth Humphreys und Mark J. Reid, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Karl M. Menten, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn

Präsentation auf dem 213th Meeting of the American Astronomical Society, Long Beach; #986

WWW:
Radio & Geoastronomy, Harvard-Smithsonian CfA
Millimeter & Submillimeter Astronomy Group, MPI Bonn
The Galactic Center
Very Large Array

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neues vom schwarzen Herz der Milchstraße
Sternentstehung nahe Schwarzem Loch


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