Posted in: Galaxien, Sterne 15. Januar 2009 15:11 Weiter lesen →

Galaktische Zwerge mit strahlender Jugend

Illustration zeigt dicht an dicht mit Sternen besetzten Nachthimmel über bräunlichem Land, kleiner MondDie kleinsten Galaxien des Universums wurden lange Zeit nicht als solche erkannt, weil sie nur schwach leuchten. Das war nicht immer so, legen Berechnungen Bonner Astronomen nahe. Demnach könnten in den Winzlingen schlagartig massereiche Sterne entstanden sein, sodass sie vorübergehend deutlich größere Galaxien überstrahlten.

Der Nachthimmel in einer der „James-Dean-Galaxien“ könnte einen spektakulären Anblick geboten haben. Grafik: NASA, ESA, G. Bacon (STScI), and P. van Dokkum (Yale University)

Aus einem solchen Anfang ergebe sich zwanglos eine Erklärung die heutige Unauffälligkeit der Zwerggalaxien, erläutert Pavel Kroupa von der Universität Bonn. „Diese schweren Sterne haben bereits den Endpunkt ihrer Entwicklung erreicht und wurden zu Neutronensternen oder Schwarzen Löchern.“

Ultrakompakte Zwerggalaxien sollten auffällige Gebilde am Nachthimmel sein: In einem Raum von wenigen Hundert Lichtjahren Durchmesser – ein Hundertstel des Wertes typischer Galaxien – vereinen sie viele Millionen Sonnenmassen. Dennoch sind sie so leuchtschwach, dass ihre Existenz erst vor einigen Jahren bemerkt worden war.

Kroupas Doktorand Jörg Dabringhausen nahm nun die Hypothese unter die Lupe, die bevorzugte Bildung massereicher, schnelllebiger Sterne sei die Ursache dieses Phänomens. Mit Hilfe von Computermodellen lotete er mögliche Rahmenbedingungen aus, die die Eigenschaften bekannter Ultrakompakter Zwerggalaxien erklären könnten. Die Resultate präsentieren der Forscher und seine Kollegen demnächst in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

In den jungen Winzlingen könnten demnach bis zu 90 Prozent der Gesamtmasse entstehender Sterne in stellare Schwergewichte mit mehr als acht Sonnenmassen geflossen sein. Zum Vergleich: In der heimischen Milchstraße liegt der Anteil bei etwa 23 Prozent. Daher könnten die Ultrakompakten Zwerggalaxien einst wahre Schmelztiegel gewesen sein.

Das gelte umso mehr, als Ultrakompakte Zwerggalaxien bei ihrer Entstehung noch dichter gepackt gewesen seien als heute, so Dabringhausen: Der Abstand zwischen zwei Protosternen habe dort lediglich ein Tausendstel des Abstandes der Sonne von ihrem nächsten Nachbarstern betragen. In einem derartigen Gewimmel könnten die jungen Sterne zu exotischen, gleißend hellen Objekten verschmolzen sein, vermuten die Forscher. Ihrer Ansicht nach müssen die Sternentstehung und die Struktur der Sterne unter solch extremen Bedingungen völlig neu berechnet werden.

Forschung: Jörg Dabrinhausen, Pavel Kroupa und Holger Baumgardt, Argelander-Institut für Astronomie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Monthly Notices of the Royal Astronomical Society; Preprint arXiv:0901.0915v1

WWW:
Arbeitsgruppe Pavel Kroupa, Uni Bonn
Neuer Galaxien-Typ entdeckt
Ultra-compact Dwarf Galaxies
Missing Link Between Dwarf Galaxies and Globular Clusters

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mögliche Mindestmasse für Galaxien
Zwerggalaxien mit dunklem „Speck“


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