Posted in: Planeten 21. Januar 2009 18:43 Weiter lesen →

Reines Mars-Eis

Blick auf die Nordpolarkappe des Mars mit ihrer spiralförmigen Struktur, einer großen hellen Zunge und einem tiefbraunen Einschnitt an ihrem Nordrand Am Nordpol des Mars gibt es reichlich Wassereis, das zudem von bemerkenswerter Reinheit ist. Das hat die Auswertung von Sondendaten durch europäische und amerikanische Forscher ergeben. Gemessen an der Art und Weise, wie das Material unter der Trockeneis-Polkappe Radarwellen reflektiert, muss es stellenweise zu mehr als 95 Prozent aus Wassereis bestehen.

Der tiefe Einschnitt Chasma Boreale trennt die Eiszunge Gemini Lingula (unten links) vom Rest der Polkappe. Bild: NASA/JPL/MSSS

Zum Rand der nördlichen Polkappe hin steigt der Anteil an „Verunreinigungen“ allerdings, ermittelten die Forscher um Cyril Grima und Wlodek Kofman vom Laboratoire de Planétologie in Grenoble. Die neuen Daten könnten helfen, mehr über die Klimageschichte des Mars und über die Entwicklung seiner Polargebiete zu erfahren, schreiben sie im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Mit einem geschätzten Volumen von 2 bis 3 Millionen Kubikkilometern gelten die Ablagerungen an den Polen des Mars als die größten Wasservorkommen auf dem roten Planeten. Ihr Aufbau aus unterschiedlichen Schichten wird unter anderem mit dem Shallow Radar (SHARAD) an Bord der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter erkundet.

Das Instrument sendet Radarpulse aus, die von verschiedenen Materialien unterschiedlich stark reflektiert werden. Anhand von 140.000 solcher Messpunkte rekonstruierten Grima, Kofman und Kollegen die Struktur des Untergrunds unter einer großen „Zunge“ der Polkappe, genannt Gemini Lingula.

Dabei fanden sie nicht nur Hinweise auf die große Reinheit des dort vorhandenen Wassereises. Die Rekonstruktion lässt auch auf eine rund 250 Meter hohe Stufe im felsigen Fundament schließen, die den nördlichen Rand der Zunge und damit den Übergang zu einem markanten Einschnitt in der Polkappe markiert.

Forschung: Cyril Grima und Wlodek Kofman, Laboratoire de Planétologie de Grenoble, CNRS/Université Joseph Fourier Grenoble; Roger J. Phillips, Southwest Research Institute, Boulder, Colorado; Roberto Seu, Dipartimento Infocom, Università di Roma „La Sapienza“; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters (im Druck), DOI 10.1029/2008GL036326

WWW:
Laboratoire de Planétologie Grenoble
Dunes and Ice in Chasma Boreale
SHARAD

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