Posted in: Exoplaneten 28. Januar 2009 19:29 Weiter lesen →

Planetarische Hitzewelle

Computergrafik zeigt beinahe schwarze Kugel mit dunkelblauem Horizont auf der einen und einem rötlichem Glimmen auf der anderen SeiteEine Hitzewelle der besonderen Art haben amerikanische Astronomen auf einem fernen Planeten verfolgen können. Indem die ferne Welt in extrem geringer Entfernung an ihrem Stern vorbeizog, stieg die Temperatur ihrer Atmosphäre binnen sechs Stunden um rund 700 Grad Celsius an.

Während der Periastron-Passage könnten sich glühende Stürme in der Atmosphäre des Exoplaneten entwickeln. Bild: D. Kasen, J. Langton, and G. Laughlin (UCSC)

„Damit haben wir erstmals in Echtzeit Wettervorgänge auf einem Planeten außerhalb des Sonnensystems nachgewiesen“, erklärt Gregory Laughlin vom Lick Observatory der University of California. Die Resultate seien deshalb so bedeutend, weil sie Rückschlüsse über die Eigenschaften der Atmosphäre des Exoplaneten ermöglichten.

Laughlin und seine Kollegen nutzten das Weltraumteleskop Spitzer, um den Planeten HD 80606b zu beobachten. Bereits im Jahr 2001 entdeckt, zeichnet sich der Gasriese durch eine extrem elliptische Umlaufbahn aus: an deren innersten Punkt ist er nur fünf Millionen Kilometer von seinem sonnenähnlichen Zentralgestirn entfernt, am äußersten Punkt dagegen 26 Mal so weit.

Die Forscher planten ihre 30-stündige Beobachtung so, dass sie das rasante Durchlaufen des innersten Bahnpunktes umfasste. Wie sie im Magazin „Nature“ berichten, nahm die Infrarothelligkeit des Gesamtsystems bei dieser Gelegenheit um gut 1 Promill zu. Ursache dürfte ein Temperaturanstieg von rund 550 auf 1.250 Grad Celsius in der Gashülle des Planeten gewesen sein.

Dabei müssten extreme Prozesse in der Atmosphäre von HD 80606b abgelaufen sein, erläutert Laughlins Kollege Jonathan Langton. „Die anfängliche Reaktion könnte man als Explosion auf der dem Stern zugewandten Seite beschreiben. Und indem sich die Atmosphäre aufheizt und ausdehnt, kommen Winde mit Geschwindigkeiten in einer Größenordnung von fünf Kilometern pro Sekunde auf, die von der Tag- auf die Nachtseite wehen.“ Die Eigendrehung des Planeten wickle diese Winde wiederum zu immensen Sturmsystemen auf, die sich nur langsam wieder auflösten.

Unterbrochen wurde der Helligkeitsanstieg durch einen jähen, aber kurzen Einbruch. Nach Ansicht der Forscher kam es dazu, als der Planet für einige Minuten hinter seinem Stern verschwand – offenbar blickt man von der Erde auf die Kante seiner Umlaufbahn. Mit etwas Glück dürfte in dem System daher noch eine zweite Art von Verfinsterung zu beobachten sein, wenn HD 80606b erneut und dann vergleichsweise gemächlich durch die Sichtlinie zur Erde zieht und dabei seinen Stern verdunkelt.

Forschung: Gregory Laughlin, Jonathan Langton und Stefano Meschiari, University of California Observatory/Lick Observatory, University of California, Santa Cruz; Paul Butler, Department of Terrestrial Magnetism, Carnegie Institution of Washington, Washington, D.C.; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 457, 29. Januar 2009, pp 562-4, DOI 10.1038/nature07649

WWW:
Gregory Laughlin, Lick Observatory
Extrasolar Planets Encyclopaedia
A Very Excentric Planet Orbiting HD 80606
Spitzer Space Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
„Glimmender“ Exoplanet entdeckt
Heiße Nächte auf fernen Planeten


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