Posted in: Planeten 27. März 2009 16:35 Weiter lesen →

Titanischer Morast

Illustration zeigt in rötlichen Tönen eine verregnete Landschaft, Regen, abfließende Flüssigkeit Die Oberfläche des Titan dürfte stellenweise einem stinkenden Morast ähneln. Entsprechende Hinweise liefert ein Laborexperiment, mit dem amerikanische Forscher die Bedingungen auf dem Saturnmond nachgestellt haben. Der Untergrund aus Wassereis saugt sich demnach bereitwillig mit flüssigen Kohlenwasserstoffen voll, die vom Himmel regnen.

Ein verregneter Tag auf Titan. Bild: NASA/JPL

Setzt der Regen aus, verflüchtigt sich die Flüssigkeit jedoch rasch wieder, beobachteten Christophe Sotin vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena und seine Kollegen. Dieser Befund stützt die Vermutung, dass die großen Seen, die in den Polregionen des Titan entdeckt worden sind, merklichen jahreszeitlichen Veränderungen unterworfen sind.

Der Saturnmond Titan besitzt eine dichte Atmosphäre aus Stickstoff und Kohlenwasserstoffen, die irdischen Wissenschaftlern lange Zeit den Blick versperrte. Erst seit der Ankunft der Sonde Cassini im Saturnsystem und der Landung ihrer Tochtersonde Huygens auf dem Titan gibt der größte Saturnmond nach und nach seine Geheimnisse preis.

Besonders faszinierend ist die Entdeckung eines Kreislaufs aus Verdunstung und Niederschlag sowie großen Seen und ausgetrockneten Flussbetten. Bei Temperaturen um minus 180 Grad Celsius sind es allerdings leichte Kohlenwasserstoffe wie Methan und Ethan, die zwischen flüssigem und gasförmigen Zustand wechseln. Wasser ist auf dem Titan steinhart gefroren und scheint die Rolle irdischer Mineralien zu spielen.

Sotin und Kollegen richteten eine Versuchskammer ein, in der eine Stickstoffatmosphäre mit einem ähnlichen Druck wie auf dem Titan bestand und eine Temperatur von minus 183 Grad Celsius (90 Kelvin) herrschte. In der Kammer tropfte flüssiges Methan in ein Schälchen mit hochreinem Wassereis.

Wie die Forscher auf einer Fachtagung im texanischen The Woodlands berichten, saugte das Eis die Flüssigkeit begierig auf und wurde dabei dunkler – ähnlich angefeuchtetem Sand. In einer Vertiefung im Eis bildete sich schließlich sogar eine offene „Wasserfläche“. Sobald das Tröpfeln aufhörte, trocknete dieser See jedoch wieder aus, danach wurde auch das Wassereis langsam wieder heller. Ähnliches beobachteten die Forscher, wenn sie ihre Versuche mit Ethan statt Methan durchführten.

„Die neuen Experimente lassen vermuten, dass der oberflächennahe Untergrund in beiden Polregionen des Titan mit flüssigen Kohlenwasserstoffen mehr als gesättigt ist“, folgern Sotin und seine Kollegen. Und auch in den äquatornahen Regionen des Saturnmondes sei der Untergrund wohl nicht völlig trocken: bei der Landung von Huygens sei nämlich etwas Methan aus dem Boden entwichen.

Forschung: Christophe Sotin, Randall Mielke und Karl L. Mitchell, NASA-Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; und andere

Präsentation auf der 40th Lunar and Planetary Science Conference, The Woodlands, Texas; #2088

WWW:
Planetary Science, Jet Propulsion Laboratory
Titan
Cassini-Huygens (ESA)

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Titan gut geschmiert?
Titanische Seenplatte
Titan: Methan aus eisigen Speichern?


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