Posted in: Exoplaneten, Technik 2. April 2009 13:31 Weiter lesen →

Exoplanet in alten Daten „wiederentdeckt“

Panoramablick über einen blauen Ringplaneten auf ein fernes Gestirn, daneben die bereinigte Hubbleaufnahme als heller Punkt nahe eines dunklen Flecks Auch für Sterngucker kann es sich lohnen, mehrmals hinzusehen. So geschehen im Falle eines fernen Planeten, der erst kürzlich mit großen Teleskopen auf Hawaii erspäht worden war. Kanadische und amerikanische Astronomen haben entdeckt, dass das Weltraumteleskop Hubble diesen Planeten schon zehn Jahre zuvor abgelichtet hatte.

Bilder: NASA, ESA, and D. Lafrenière (University of Toronto, Canada)/G. Bacon (STScI)

Möglich wurde der Fund durch eine verfeinerte Methode zur Datenanalyse, die David Lafrenière von der Universität Toronto entwickelt hat. „Sie erlaubt es uns, Planeten zu sehen, die nur ein Zehntel jener Helligkeit besitzen, die bislang die Untergrenze für Hubble markierte“, so der Forscher. Daher könnten im Datenarchiv des Weltraumteleskops noch einige wissenschaftliche Schätze zu heben sein.

Der Planet mit der Bezeichnung HR 8799b umkreist – gemeinsam mit zwei Geschwistern – einen jungen Stern, der gut 128 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Pegasus liegt. Er war erstmals bei bodengestützten Beobachtungen im Jahr 2007 und in der Folge auch auf Bildern aus dem Jahr 2004 entdeckt worden. Und schon im Jahr 1998 hatte das Weltraumteleskop Hubble seinen Blick auf den fernen Stern gerichtet.

Um eventuelle Planeten in der Umgebung des gleißend hellen Sterns erkennen zu können, war dieser bei den Beobachtungen mit einer Maske ausgeblendet worden. Allerdings „sickert“ bei dieser Koronographie stets noch etwas Sternenlicht über den Rand der Maske und muss nachträglich aus der Aufnahme herausgerechnet werden. Wie viel Licht subtrahiert werden muss, lässt sich gut aus Beobachtungen mehrerer anderer Sterne berechnen, fanden Lafrenière und Kollegen.

Das Infrarotspektrum des nunmehr zum dritten Male nachgewiesenen Planeten lässt vermuten, dass dessen Gashülle neben Staub auch Wasserdampf enthält, berichten die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“. Angesichts ihres Erfolgs wollen sie nun die Daten über mehr als 200 weitere Sterne, die Hubble in den letzten Jahren koronographisch beobachtet hat, einer erneuten Analyse unterziehen.

Forschung: David Lafrenière, Department of Astronomy & Astrophysics, University of Toronto, Toronto, Ontario; Christian Marois, NRC Herzberg Institute of Astrophysics, Victoria, British Columbia; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 694, L148-L152, DOI 10.1088/0004-637X/694/2/L148

WWW:
Astronomy & Astrophysics, University of Toronto
HR 8799, Extrasolar Planets Encyclopaedia
Hubble
NICMOS Coronagraph

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