Posted in: Kosmos 22. April 2009 21:00 Weiter lesen →

Kosmischer „Klumpen“ verblüfft Astronomen

Grafik zeigt ein ovales Gebilde, bestehend aus dunkelblauen bis weißen Quadraten, vor schwarzem HintergrundEine große Materieansammlung hat eine internationale Forschergruppe in der Kindheit des Universums entdeckt. Das Objekt vom Kaliber der Milchstraße bestand zu einer Zeit, als das All lediglich sechs Prozent seines heutigen Alters erreicht hatte. Um was es sich handelt, ist derzeit noch rätselhaft.

„Himiko“ in einer Falschfarbendarstellung, zusammengesetzt aus verschiedenen Aufnahmen. Der Größenmaßstab entspricht 10.000 Lichtjahren. Grafik: M. Ouchi et al., Astrophysical Journal, May 2009

„Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ein derart großes Objekt zu einem so frühen Zeitpunkt in der Geschichte des Universums existiert haben könnte“, erklärt Masami Ouchi von den Carnegie Observatories im kalifornischen Pasadena. Gemäß dem gängigen Modell der Entwicklung des Kosmos sollten sich zunächst kleinere Objekte gebildet haben und später zu größeren verschmolzen sein. „Dieser Klumpen war jedoch so groß wie heutige Galaxien, als das Universum nur etwa 800 Millionen Jahre alt war!“

Ouchi und Kollegen fanden den „Klumpen“, als sie mit dem japanischen Subaru-Teleskop nach der Lyman-Strahlung von energetisch angeregtem Wasserstoff fahndeten. Dabei stießen sie auf das mindestens 55.000 Lichtjahre große Objekt. Dessen Strahlung hat so lange zur Erde benötigt, dass sie durch die Ausdehnung des Raums auf beinahe das 7,6-Fache ihrer ursprünglichen Wellenlänge gedehnt worden ist.

Vorläufig haben die Astronomen ihren Fund „Himiko“ getauft – nach einer legendären Herrscherin über das erste japanische Königreich. Trotz weiterer Beobachtungen mit einer Vielzahl großer Teleskope ist derzeit nur gewiss, dass das Objekt 12,9 Milliarden Lichtjahre entfernt ist und dass in ihm Sterne entstehen. Vielleicht habe man es mit einer großen urtümlichen Galaxie zu tun, so die Forscher, vielleicht mit einer Kollision kleinerer Galaxien oder aber mit einer riesigen Gaswolke.

Forschung: Masami Ouchi und Alan Dressler, Observatories of the Carnegie Institution of Washington, Pasadena, Kalifornien; Yoshiaki Ono, Department of Astronomy, University of Tokyo; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal; Preprint arxiv:0807.4174

WWW:
Carnegie Observatories
Lyman-Serie
Brief History of the Universe

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kosmische Nebelleuchten
Forscher finden galaktische Bausteine
Astronomen finden „Urklumpen“

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2 Kommentare zu "Kosmischer „Klumpen“ verblüfft Astronomen"

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  1. F.Kluge sagt:

    Woraus wird denn geschlossen, das es sich um einen Klumpen handelt?
    es kann ja auch eine Ansammlung von Sternen sein oder eine Galaxie.
    Eine Chance das herauszufinden gibt es wohl im Moment nicht.
    Wenn es denn einmal nachgewiesen wird was da in 10 oder 12 oder 13 Mill.Lj. existiert hat, stellt sich die Frage: Wem nützt es?
    Kein Professor, kein Mensch wird je einen Nutzen daraus ziehen können.

  2. Schattenlos sagt:

    Vieles an Wissenschaft hat keinen „Nutzen“ und wird trotzdem gemacht – Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaften, Kunstwissenschaften …
    Hätten die Menschen immer so gedacht, gäbe es heute vieles moderne Errungenschaften nicht.
    Also sollte man nicht so kurzsichtig sein und jede Erkenntnis gleich als nutzlos bezeichnen.