Eisige Familienbande
Freitag, 24. April 2009, 14:17 • Rubrik Sonnensystem.
Die kleinen Monde des Zwergplaneten Haumea sind aus einer großen Kollision am Rand des Sonnensystems hervorgegangen. Für diese Ansicht sprechen Beobachtungen zweier amerikanischer Astronomen mit dem Weltraumteleskop Hubble. Die beiden Möndchen bestehen demnach aus dem gleichen eisigen Material, das auch den Zwergplaneten bedeckt.
Haumea, ihre beiden Monde und eine Reihe weiterer Objekte sind möglicherweise Trümmerstücke aus einer Kollision. Bild: NASA, ESA, and A. Feild (STScI)
Wären die beiden Monde namens Hi’iaka und Namaka nachträglich durch die Schwerkraft Haumeas eingefangen worden, sollten die Oberflächeneigenschaften stärker variieren, schreiben Wesley Fraser und Michael Brown vom California Institute of Technology im Fachblatt “Astrophysical Journal Letters”. Ihre “Farbe”, gemessen bei zwei Wellenlängen im Infrarot, sei jedoch praktisch identisch mit der Haumeas.
Haumea war erst vor wenigen Jahren entdeckt worden – die Umstände der Erstbeobachtung sind allerdings umstritten. Benannt nach einer hawaiianischen Fruchtbarkeitsgöttin, besitzt der Zwergplanet jenseits des Neptun in etwa die Form eines 2.000 Kilometer großen Rugbyballs. Derzeit ist er etwas mehr als 7,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.
Erst kürzlich hatten Brown und Kollegen entdeckt, dass mindestens sechs weitere Objekte auf sehr ähnlichen Umlaufbahnen wie Haumea um die Sonne kreisen und ebenfalls eine Kruste aus Wassereis besitzen. Daraus hatten sie geschlossen, dass diese Haumea-Familie aus einem Mutterkörper hervorgegangen ist, der bei einer Kollision zerschmettert wurde. Offenbar entstanden auch die beiden Möndchen bei dieser Kollision. Eine ähnlich gewaltsame Entstehungsgeschichte wird für die drei Begleiter des Pluto diskutiert.
Forschung: Wesley C. Fraser und Michael E. Brown, Geological and Planetary Sciences, California Institute of Technology, Pasadena
Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 695, DOI 10.1088/0004-637X/695/1/L1; Preprint arxiv:0903.0860
WWW:
Michael Brown, Caltech
Bahnsimulation Haumea
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