Posted in: Exoplaneten, Sterne 20. Mai 2009 14:49 Weiter lesen →

Eine Wiege für Planeten

Kleiner, dunkelroter Fleck neben einem großen, weißglühend erscheinenden, schwarzer Hintergrund Die Geburtsstätte künftiger Planeten haben Jenaer Astronomen bei einem Stern in der galaktischen Nachbarschaft der Sonne entdeckt. Ihre Bebachtungen zeigen, dass der junge Stern von einer Scheibe aus Staub umgeben ist. Indem das Material förmlich verklumpt, könnte darin ein ganzes Planetensystem heranwachsen.

Bild: Tobias Schmidt/Friedrich-Schiller-Universität

Ralph Neuhäuser von der Universität Jena und seine Kollegen fanden die Scheibe bei einem mäßig hellen Stern, den sie erst vor wenigen Jahren nahe bei einem kräftiger strahlenden Vetter entdeckt hatten. Ein schräg vor dem leuchtschwachen Objekt verlaufendes Band lieferte frühzeitig Hinweise auf das Vorhandensein einer protoplanetarischen Scheibe, die irdischen Beobachtern ihre Kante zuwendet.

Weitere Beobachtungen an der Europäischen Südsternwarte in Chile bestätigten diese Vermutung, berichtet Neuhäusers Gruppe gemeinsam mit Kollegen aus Heidelberg, Portugal, Spanien und Chile im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“. Zu den Belegen zählt ein Überschuss an Infrarotstrahlung, erläutert der Astronom. „Wir haben weitaus mehr infrarote Strahlen messen können, als dies normalerweise üblich ist.“ Dies sei typisch für kühle Gas- und Staubmaterie in Planetenscheiben.

Zudem konnten die Forscher zeigen, dass der „beringte“ Stern und sein Nachbar sich gegenseitig umkreisen und somit einen Doppelstern bilden. Das Paar liegt im Sternentstehungsgebiet Corona Australis. Ausgehend von einer Entfernung von rund 400 Lichtjahren, dürfte die Scheibe mindestens 30 bis 50 Erdbahnradien (Astronomische Einheiten) groß sein, schätzen die Forscher. Weitere Beobachtungen sollen nun zeigen, ob sich die Scheibe im Laufe der Zeit merklich verändert – ein Indiz für die Bildung größerer Materieklumpen.

Forschung: Ralph Neuhäuser, Astrophysikalisches Institut und Universitätssternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena; Nikolaus Vogt, Departamento de Física y Astronomía, Universidad de Valparaíso, und Instituto de Astronomía, Universidad Catolica del Norte, Antogfagasta; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 496, pp 777-86, DOI 10.1051/0004-6361:200810730

WWW:
Astronomisches Institut, Uni Jena
European Southern Observatory
Ten Step Program for Star and Planet Formation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wasser für künftige Planeten
Naher Stern mit zwei Asteroidengürteln

Posted in: Exoplaneten, Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.