Feuchtwarme Expresslieferung
Dienstag, 2. Juni 2009, 13:40 • Rubrik Astrobiologie, Planeten, Sonnensystem.
Ein wahrer Meteoriten-Hagel vor rund vier Milliarden Jahren schuf nicht nur Krater auf Erde und Mars. Messungen englischer Geowissenschaftler bestätigen die Ansicht, dass mit den Meteoriten große Mengen von Wasser und Kohlendioxid in die Gashüllen der jungen Welten gelangten.
Grafik: NASA-Jet Propulsion Laboratory
“Es ist durchaus denkbar, dass dies ein Schlüsselmoment in der Geschichte der jungen Erde war”, erklärt Mark Sephton vom Imperial College London. Vielleicht habe erst das “Große Bombardement” die irdische Atmosphäre mit den richtigen Zutaten angereichert, um die Entwicklung von Leben zu ermöglichen.
Sephton und sein Kollege Richard Court analysierten Splitter mehrerer Meteoriten aus der Klasse der kohligen Chondriten – darunter auch der berühmte Murchison-Meteorit. Die Fragmente wurden mit elektrischem Strom schlagartig auf 250 bzw. 1.000 Grad Celsius erhitzt, um die Bedingungen kurz vor dem Einschlag nachzuahmen. Die Mengen der dabei freigesetzten Gase wurden mit Hilfe eines Infrarotlasers ermittelt.
Auf Basis ihrer Messungen schätzen Court und Sephton, dass Chondriten auf ihrem feurigen Weg durch die Atmosphäre bis zu 12 bzw. 6 Prozent ihrer Masse in Form von Wasserdampf bzw. Kohlendioxid abgeben können. Zwar wirkt sich ein einzelner Einschlag kaum aus. Die zahlreichen Einschläge während des “Großen Bombardements” könnten den Werdegang der inneren Planeten jedoch merklich beeinflusst haben.
Die Forscher schätzen, dass Meteoriten in dieser unruhigen Phase des jungen Sonnensystems pro Jahr zehn Milliarden Tonnen Wasser und zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid auf die Erde und auf den Mars brachten – entsprechend gut einem Fünftel der Wassermenge im Bodensee und einem Drittel der weltweiten anthropogenen Treibhausgas-Emissionen. “Diese Gase könnten ohne Verzögerung ihre Wirkung entfaltet haben – nämlich den Wasserkreislauf zu fördern und den Planeten zu erwärmen”, erläutert Court. Und anders als der Mars mit seinem schwachen Magnetfeld, habe sich die Erde ihre dichte Gashülle auch langfristig bewahren können.
Forschung: Richard W. Court und Mark A. Sephton, Department of Earth Science and Engineering, Imperial College London
Veröffentlichung Geochimica et Cosmochimica Acta, Vol. 73(11), pp 3512-21, DOI 10.1016/j.gca.2009.03.006
WWW:
Earth Science and Engineering, Imperial College London
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Ich glaube im letzten Satz wäre besser: “schwachen Gravitationsfeld” als “schwachen Magnetfeld”.
Hallo und Danke für den Hinweis! Der Faktor Magnetfeld wurde im letzten Absatz ziemlich knapp abgehandelt. Das Imperial College schreibt dazu: “However, researchers say Mars’ good fortune did not last. Unlike Earth, Mars doesn’t have a magnetic field to act as a protective shield from the Sun’s solar wind. As a consequence, Mars was stripped of most of its atmosphere. ” Offenbar ist der “Schutzschild” wichtiger als die Schwerkraft – zumindest beim Vergleich Erde-Mars.