Posted in: Raumfahrt, Sonnensystem 8. Juni 2009 13:11 Weiter lesen →

Schwebendes Sonnenteleskop

Blick auf die brodelnde Sonne mit großer Protuberanz Das deutsche Sonnenteleskop Sunrise ist zu seiner ersten Mission gestartet. Nahe der nordschwedischen Stadt Kiruna wurde das insgesamt rund zwei Tonnen schwere Gerät an einem riesigen Ballon in die Höhe gehoben. Seine Reise in der dünnen Luft der Stratosphäre wird es westwärts über das Nordpolarmeer bis nach Kanada führen.

Bild: NASA/SOHO

Während der mehrtägigen Ballonfahrt soll Sunrise die Sonne und deren brodelnde Oberfläche rund um die Uhr im Blick behalten. Die federführenden Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau und ihre Kollegen erhoffen sich Aufnahmen, deren Genauigkeit sogar die von Weltraummissionen übertrifft – und das zu einem deutlich geringeren Preis.

Möglich macht das nicht zuletzt ein hochgezüchteter Ballon, der von der amerikanischen Weltraumbehörde NASA gestellt wird. Am Raketenstartplatz Esrange mit 2.500 Kubikmetern Helium befüllt, dehnt seine dünne Hülle während des Aufstiegs allmählich auf, bis sie in 30 Kilometern Höhe ein Volumen von gut einer Million Kubikmetern umfasst. Ihr Durchmesser beträgt dann mehr als 100 Meter.

Foto zeigt schlaff wirkenden Ballon beim Start, lange Leine, vom Kran gehalten, Nutzlast noch am Boden, unter leicht bewölktem Himmel Foto: MPS (P. Barthol)

In der dünnen Luft der Stratosphäre kann Sunrise insbesondere ultraviolettes Licht von der Sonne auffangen und an eine Reihe von Instrumenten weiterleiten. Die gesammelten Daten sollen unter anderem verstehen helfen, wie bei magnetischen „Kurzschlüssen“ an der Sonnenoberfläche heiße Plasmawolken ins All geschleudert werden. Solche Sonnenstürme können irdische Satelliten, Kommunikationssysteme und Stromnetze beeinträchtigen oder sogar lahmlegen.

Die Reise von Sunrise endet voraussichtlich am 12. Juni über dem Norden Kanadas. Über dem Bergungsgebiet wird das Teleskop per Funkbefehl vom Ballon getrennt und schwebt dann am Fallschirm zu Boden. Einen problemlosen Verlauf vorausgesetzt, kann es danach wiederholt eingesetzt werden. Die Gesamtkosten des Projekts werden vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf 30 Millionen Euro beziffert, zwei Drittel davon trägt Deutschland.

Forschung: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau; Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik, Freiburg; High Altitude Observatory, National Center for Atmospheric Research, Boulder, Colorado; und andere

WWW:
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