Ein Schwung Sternenstaub
Dienstag, 16. Juni 2009, 12:21 • Rubrik Sonnensystem.
Die greifbare Substanz im Sonnensystem ist weniger alt als gemeinhin angenommen. Diesen Schluss legen Analysen nahe, die Zürcher Forscher gemeinsam mit Kollegen aus den USA, Australien und Deutschland durchgeführt haben. Staubkörnchen aus den Hüllen sterbender Sterne brauchten demnach nur wenige Millionen Jahre für ihre interstellare Reise bis in die Geburtswolke der Sonne.
Philipp Heck mit einem Fragment des Allende-Meteoriten. Foto: Dan Dry/University of Chicago
“Die Kenntnis dieser Zeitspanne ist von grundlegender Bedeutung für ein besseres Verständnis interstellarer Vorgänge und für eine bessere zeitliche Eingrenzung der Entstehung des Sonnensystems”, erklärt Philipp Heck von der ETH Zürich. Angesichts der neuen Resultate sei es denkbar, dass ein Teil des Materials letztlich auf eine sprunghafte Sternentstehung in der kosmischen Nachbarschaft zurückgehe.
Während beim Urknall nur Wasserstoff und Helium entstanden, werden die schwereren Elemente erst nachträglich im Innern von Sternen erzeugt. Bei Sternexplosionen ins All geschleudert, werden sie wiederum in den Grundstoff der nächsten Sterngeneration integriert. Bei den chemisch auffälligen Einschlusskörperchen in Meteoriten handelt es sich vermutlich um solchen “Sternenstaub”.
Heck, mittlerweile an der University of Chicago tätig, und seine Kollegen studierten 22 präsolare Siliziumkarbid-Körnchen aus dem Murchison-Meteoriten. Vor allem interessierten sich die Forscher für die Konzentration des Edelgases Neon, das sich unter dem Einfluss kosmischer Strahlung in den Körnchen angereichert hat. Gemessen am Neongehalt, dürften 17 Körnchen höchstens 200 Millionen Jahre und teils sogar nur 3 Millionen Jahre im interstellaren Raum verbracht haben.
Der theoretisch erwartete Wert liege dagegen in einer Größenordnung von 500 Millionen Jahren, schreiben die Forscher im “Astrophysical Journal”. Die überraschende Verteilung der Messwerte könnte durch eine Welle der Sternentstehung erklärt werden, die sich ein bis zwei Milliarden Jahren vor der Entstehung der Sonne ereignete. Als die daraus hervorgegangenen Sterne wiederum als Supernovae explodierten, könnten in kurzer Zeit große Mengen von “Sternenstaub” auf den Weg gebracht worden sein.
Forschung: Philipp R. Heck und Rainer Wieler, Institut für Isotopengeologie und Mineralische Rohstoffe, ETH Zürich, und Chicago Center for Cosmochemistry, University of Chicago; Ulrich Ott, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz; und andere
Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 698(2), pp 1155-64, DOI 10.1088/0004-637X/698/2/1155
WWW:
Institut für Isotopengeologie und Mineralische Rohstoffe, ETH Zürich
- Presolar Grains: Matter From Other Stars
Chicago Center for Cosmochemistry
Meteorites and Their Properties
Präsolare Körner und solare Häufigkeiten
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